Beispiel zur Gambler’s Fallacy

7. März 2008

Im Beitrag Trendumkehr oder die Suche nach dem heiligen Gral wurde bereits des Spieler’s Trugschluss oder Gambler’s Fallacy dargestellt.

An folgendem Beispiel eines Kursverlaufs lässt sich dieser Effekt grafisch veranschaulichen:

EURUSD

Hier ist ein klar zu erkennender Trend dargestellt bei dem der Kurs gerade nach einem etwas stärkeren Anstieg einknickt.
Ist das ein günstiger Einstiegspunkt und wenn ja in welche Richtung? Vielleicht denken Sie kurz darüber nach, bevor Sie weiter lesen…

Dieser Kursverlauf zeigt den Devisenkurs des Euro gegenüber dem US Dollar der letzten drei Monate (abzüglich der letzten paar Wochen).

Die Gambler’s Fallacy tritt nun auf, wenn sich jemand mit folgender Begründung für den Einstieg auf der Short Seite entscheidet:

  • der Kurs ist bereits lange gestiegen und
  • ich glaube dass es jetzt sehr viel wahrscheinlicher ist, dass dieser Trend umkehrt, als noch vor ein paar Wochen (weil er jetzt schon viel länger andauert)

Es ist eben allein auf Grund der Tatsache, dass der Trend jetzt älter ist, die Wahrscheinlichkeit für eine Umkehr des Trends nicht größer.
Die Entscheidung Short zu gehen wäre hier als falsch anzusehen. Hier der gesamte Chart der letzten drei Monate:

EURUSD

Hinweis: Diese Beurteilung gilt nur für den angesprochenen Fall zur Erklärung der Gambler’s Fallacy. Es gibt weitere Einflussfaktoren, die diese Entscheidung durchaus stützen könnten, beispielsweise die Überlegung, dass die Europäische Zentralbank an einem bestimmten Punkt eingreifen muss, um die Währung stabil in einer festgelegten Schwankungsbreite zu halten.


Der Hindsight Bias als Lern-Hemmer

26. Februar 2008

Eine Situation nachträglich zu beurteilen fällt uns generell leichter, als eine Prognose über zukünftige Ereignisse zu erstellen. Der Ausgang ist bereits klar und es stehen zusätzliche Informationen bereit, die bei einer ex post Beurteilung helfen.

Ein typisches allgemeines Beispiel hierfür sind Unfälle mit menschlichem Versagen. Nachträglich fragt man sich, wie so etwas passieren konnte. Es erscheint offensichtlich, dass eine bestimmte Reaktion diesen Unfall herbeiführen musste.

An den Finanzmärkten treten solche Situationen häufig bei nachträglichen Analysen und Erklärungsversuchen auf, etwa wenn ein Trend bereits entstanden ist und man mit Hilfe diverser Tools diesen klar ersichtlich zeigen kann. Im Voraus ist es jedoch etwas schwieriger solche Analysen punktgenau in Form einer Prognose zu erstellen.

Dieser Effekt, bei dem es nachträglich erscheint, als hätten aktuelle Informationen bereits früher zur Verfügung gestanden, nennt sich Hindsight Bias oder Rückschaufehler.

Eine Situation in der sich dieser Fehler auf uns nachteilig auswirkt ist die Reflexion vergangener Entscheidungen und damit der verminderte Lerneffekt. Wenn wir unsere Entscheidungen nachträglich bewerten, um von unseren Fehlern zu lernen, ist es nicht sehr hilfreich zu glauben, man hätte es eigentlich besser gewusst und beim nächsten Mal würde man es richtig machen. Der Hindsight Bias verhindert die Einsicht, dass man tatsächlich falsch gehandelt hat, weil man erstens bestimmte Informationen nicht hatte und zweitens die verfügbaren Informationen vielleicht falsch interpretiert hat. Diese fehlende Einsicht verhindert unseren Lerneffekt und beim nächsten Mal machen wir denselben Fehler.

Wie bei den meisten solchen Effekten tritt auch der Hinsight Bias unbewusst auf, weshalb er bei fehlender Kenntnis schwer bis gar nicht kontrollierbar ist.


Trendumkehr oder die Suche nach dem heiligen Gral

15. Februar 2008

Trends sind ein bekanntes Phänomen – Phänomen dann, wenn man von einer mehr oder weniger zufälligen Kursentwicklung ausgeht.

The trend is your friend” – zumindest solange all diejenigen ihre Anteile nicht verkaufen, die schon vorher auf den Zug aufgesprungen sind! Aber wann soll man nun bei einem Aufwärtstrend noch kaufen und wann nicht mehr? Und wann ist es am wahrscheinlichsten, dass der Trend sich umkehrt?

Gerade die Wahrscheinlichkeit scheint oftmals Grund genug für eine Gegenposition zu sein. Woher soll man diese aber bekommen? Genau lässt Sie sich nicht bestimmen, also muss eine grobe Einordnung wohl reichen. Es zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit für die Umkehr eines solchen Trends umso höher eingeschätzt wird, je länger dieser andauert.

Das macht logisch Sinn, denn kein Trend hält ewig. Die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit ist allerdings falsch, denn die Einzelwahrscheinlichkeit für die Ereignisse eines fallenden oder steigenden Kurses ändern sich nicht im geringsten in Abhängigkeit davon, wie diese Ereignisse vorher aufgetreten sind. Man spricht deshalb von unabhängigen Ereignissen. Die Wahrscheinlichkeit bleibt also im Verlauf des Trends mehr oder weniger konstant (natürlich abhängig von weiteren Einflussfaktoren wie neue Informationen über das Unternehmen, das Marktumfeld, usw.)

Dieser Effekt, bei dem die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis überschätzt wird, das ein anderes, sehr häufig auftretendes Ereignis wieder ausgleichen soll (hier Kursanstieg oder- verfall), nennt sich “des Spieler’s Trugschluss” oder “Gambler’s Fallacy.


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