Die Commerzbank Private Banking schreibt am 27.05.08:
“Keine Angst vor Aktien in turbulenten Zeiten
Behavioral-Finance-Regeln helfen, Verluste zu begrenzen und Gewinne zu optimieren“
Gerrit Weber, der im Private Banking der Commerzbank die Investmentstrategien verantwortet nimmt Bezug auf Überreaktionen der Anleger unter emotionalem Einfluss.
In der Pressemeldung der Commerzbank Private Banking werden folgende Effekte angesprochen, die zu einer verminderten Rendite führen:
- Selektive Wahrnehmung in der Phase der Informationsgewinnung
- Kognitive Dissonanz
Klärend möchte ich dazu anmerken, dass die Selektive Wahrnehmung als eine Art Konsequenz aus der kognitiven Dissonanz entsteht, wenn eine Entscheidung nicht mehr zurückgenommen werden kann. Es werden dann Informationen gesucht, die die eigene Entscheidung bestätigen und nicht gewählte Alternativen in ein schlechtes Licht rücken.
Daneben entstehen der Dispositionseffekt und der Sunk-Cost Effekt, die für große Verluste verantwortlich sind.
Als Handlungsempfehlung wird jedoch auf den persönlichen Bankberater verwiesen, bzw. eine Vermögensverwaltung in Erwägung gezogen. Letzteres halte ich ebenfalls für eine gute Möglichkeit, die eigenen Emotionen auszuschalten. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, eine qualitativ hochwertige Vermögensverwaltung zu finden für den eigenen Anlagestil zu finden.
Wohlbefinden kostet offensichtlich Geld, doch wie mit diesen emotionalen Hürden umgehen? “Die Antwort lautet Disziplin”, so Gerrit Weber. “Dafür sind klare Regeln notwendig. Am besten legt der Anleger schon vor dem Einstieg schriftlich fest, wo für ihn Kursziel und Verlustgrenze liegen. Dabei gilt als Faustregel: Jedem riskierten Euro sollte eine Gewinnperspektive von mindestens drei Euro gegenüberstehen.” Zudem ist es sinnvoll, bei kurz- und mittelfristigen Anlagen mit Stop-Loss-Orders zu arbeiten, die gemeinsam mit dem Private-Banking-Berater gezielt angepasst werden, um auch bei großen Kursschwankungen die Gewinne auszuschöpfen und mögliche Verluste zu vermeiden. Da ein aktives Management eines diversifizierten Portfolios mit einigem Aufwand verbunden ist, bietet sich für Anleger mit wenig Zeit eine Vermögensverwaltung an. Die Mitarbeiter in der Vermögensverwaltung sind zudem nicht durch eigenes Engagement emotional befangen und können daher rationalere Kauf- und Verkaufsentscheidungen treffen.
Trotz der Eigenwerbung für die Commerzbank zeigt der Artikel, dass sich auch die Banken mehr und mehr mit der Psychologie der Anleger beschäftigen (müssen?).
Verfasst von Martin Haimerl 
