Banken nutzen Behavioral Finance im Private Banking

23. Juni 2008

Die Commerzbank Private Banking schreibt am 27.05.08:

Keine Angst vor Aktien in turbulenten Zeiten
Behavioral-Finance-Regeln helfen, Verluste zu begrenzen und Gewinne zu optimieren

Gerrit Weber, der im Private Banking der Commerzbank die Investmentstrategien verantwortet nimmt Bezug auf Überreaktionen der Anleger unter emotionalem Einfluss.

In der Pressemeldung der Commerzbank Private Banking werden folgende Effekte angesprochen, die zu einer verminderten Rendite führen:

- Selektive Wahrnehmung in der Phase der Informationsgewinnung
- Kognitive Dissonanz

Klärend möchte ich dazu anmerken, dass die Selektive Wahrnehmung als eine Art Konsequenz aus der kognitiven Dissonanz entsteht, wenn eine Entscheidung nicht mehr zurückgenommen werden kann. Es werden dann Informationen gesucht, die die eigene Entscheidung bestätigen und nicht gewählte Alternativen in ein schlechtes Licht rücken.

Daneben entstehen der Dispositionseffekt und der Sunk-Cost Effekt, die für große Verluste verantwortlich sind.

Als Handlungsempfehlung wird jedoch auf den persönlichen Bankberater verwiesen, bzw. eine Vermögensverwaltung in Erwägung gezogen. Letzteres halte ich ebenfalls für eine gute Möglichkeit, die eigenen Emotionen auszuschalten. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, eine qualitativ hochwertige Vermögensverwaltung zu finden für den eigenen Anlagestil zu finden.

Wohlbefinden kostet offensichtlich Geld, doch wie mit diesen emotionalen Hürden umgehen? “Die Antwort lautet Disziplin”, so Gerrit Weber. “Dafür sind klare Regeln notwendig. Am besten legt der Anleger schon vor dem Einstieg schriftlich fest, wo für ihn Kursziel und Verlustgrenze liegen. Dabei gilt als Faustregel: Jedem riskierten Euro sollte eine Gewinnperspektive von mindestens drei Euro gegenüberstehen.” Zudem ist es sinnvoll, bei kurz- und mittelfristigen Anlagen mit Stop-Loss-Orders zu arbeiten, die gemeinsam mit dem Private-Banking-Berater gezielt angepasst werden, um auch bei großen Kursschwankungen die Gewinne auszuschöpfen und mögliche Verluste zu vermeiden. Da ein aktives Management eines diversifizierten Portfolios mit einigem Aufwand verbunden ist, bietet sich für Anleger mit wenig Zeit eine Vermögensverwaltung an. Die Mitarbeiter in der Vermögensverwaltung sind zudem nicht durch eigenes Engagement emotional befangen und können daher rationalere Kauf- und Verkaufsentscheidungen treffen.

Trotz der Eigenwerbung für die Commerzbank zeigt der Artikel, dass sich auch die Banken mehr und mehr mit der Psychologie der Anleger beschäftigen (müssen?).


Analogien zwischen Trading und Poker – risikoloser Übungsraum

14. Mai 2008

Behavioral Finance schön und gut, aber welche Möglichkeiten gibt es, risikofrei zu trainieren?

Da einige Erkenntnisse aus der Beobachtung von Glücksspielen kommen liegt es nahe, sich diese mal näher anzusehen. Wir betrachten das Ganze mal an einem Pokerspiel:

Poker und Trading

Texas Hold’Em ist eine Pokervariante, bei der man zwei Spielkarten ausgeteilt bekommt und dann insgesamt fünf Karten offen auf den Tisch gelegt werden, die für jeden Spieler zählen. Die beste Kombination aus fünf dieser sieben Karten zählt dann für den jeweiligen Spieler.

Was hat das mit Trading zu tun?

  • Beim Poker kennt man seinen eigenen Einsatz und kann ihn selbst bestimmen (mehr oder weniger)
  • Es werden Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen
  • Es gibt verschiedene Phasen in welchen die Situation neu bewertet und eine weitere Entscheidung gefällt werden muss
  • Man ist starken Gefühlsschwankungen ausgesetzt, die kontrolliert werden müssen
  • Glück, Strategie und die eigene Disziplin bestimmen, ob man gewinnt, oder verliert.

Wenn auch einige Experten den Vergleich einer Anlage mit dem Glücksspiel nicht gerne sehen, so sind gewisse Parallelen doch nur zu offensichtlich. Der große Unterschied ist, dass man die Anlage am Kapitalmarkt besser kontrollieren kann.

Wie hilft das beim eigenen Training?

Spielen Sie! Und Sie werden feststellen, dass sich schnell ein Dispositionseffekt oder auch ein Sunk-Cost-Effekt einstellen, beispielsweise, wenn in den ersten Runden verloren wurde und man den Verlust aufholen möchte, oder wenn der Mindesteinsatz (Blinds) gezahlt werden musste und man schlechte Karten hat. Sie werden bei der Analyse Ihrer Mitspieler die Verfügbarkeitsheuristik wiederfinden, weil so viele Informationen verarbeitet werden müssen, dass die aktuelleren die älteren überlagern. Es wird die Repräsentativitätsheuristik auftreten, weil es unwahrscheinlich ist, dass pötzlich vier Spieler gleichzeitig eine Straße auf der Hand haben. Sie werden Bedauern fühlen, wenn Sie schlechte Karten weggeworfen haben, die sich aber im Verlauf in ein hervorragendes Blatt gewandelt hätten. Das Adrenalin und die Gier werden spürbar, wenn Sie hoch setzen, uvm.

Das tritt alles in einem kontrollierten Rahmen auf, bei dem Sie nur Spielgeld einsetzen müssen und innerhalb kürzester Zeit immer wieder die selben Effekte sehen und daran arbeiten können. Eine optimale Trainingsumgebung also für viele psychologische Einflüsse, die durch den hohen Wiederholungsgrad schneller in den Griff bekommen werden können.


Der Transrapid als Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt

27. März 2008

Nun ist die Diskussion um den Transrapid endlich vom Tisch. Das Projekt ist gestoppt. Was das für den Technologiestandort Deutschland bedeutet, möchte ich hier nicht diskutieren.

Dieses Ereignis soll als Beispiel zum Sunk-Cost-Effekt dienen.

Jahrzehntelang wurde in dieses Projekt investiert. Zuletzt geplant war eine Realisation auf einer Kurzstrecke von München zum 30 km entfernten Flughafen. Offensichtlich hat sich herausgestellt, dass dieses Projekt zu teuer wird. Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Transrapid wird das Vorhaben nun gestoppt.

Der Sunk-Cost-Effekt verleitet uns dazu, in Verlustprojekte stärker zu investieren als in andere und an diesen äußerst lange fest zu halten, solange bis eine Schmerzgrenze erreicht ist, die wir nicht mehr vertreten können und letztendlich den Verlust in Kauf nehmen. An welcher Stelle findet sich die aktuelle Entscheidung wieder? Die FAZ schreibt heute vom Stop-and-Go-Verkehr der Politik und darüber, welche Rückschläge der Transrapid bis heute verzeichnen musste. Das Einstellen des Projekts ist im Zuge der Wirtschaftlichkeit wohl die richtige Entscheidung. Dem heutigen Informtionsstand nach kommt sie aber zu spät. Auch hier tritt der Sunk-Cost-Effekt wieder zu Tage. Es ist wohl eher die Schmerzgrenze erreicht, an der es einfach nicht mehr weiter geht.

Als Anleger kann man diesen Fall nutzen, um sein Bewusstsein für diesen Effekt zu schärfen. Da uns diese psychlogischen Effekte immer dann am härtesten treffen, wenn sie unbewusst auftreten, ist es notwendig, das Auge dafür zu schulen. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine Kapitalanlage im Sinne eines an den Börsen investierten Anleger handelt, hilft die Erkenntnis trotzdem.

Sie schafft das Bewusstsein für den Effekt und verbessert somit die Erkennungsrate. Dies hilft dann wiederum bei der eigenen Kapitalanlage, solche Effekte zu erkennen.

Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass bei der nachträglichen Betrachtung der jetzt zur Verfügung stehenden Informationen zum Transrapid der Hindsight Bias nicht ausgeschlossen werden kann.


Hab ich’s doch gewusst!

13. Februar 2008

… könnte ich heute sagen. Die Politik hat der IKB nun eine weitere Finanzspritze gewährt.

Wie schon am Montag hier beschrieben, weist das auf den Sunk-Cost-Effekt hin, über den ich heute allerdings gar nicht schreiben möchte.

Die Frage lautet doch: Woher habe ich das gewusst und was denn genau?

Rückblickend könnte ich meinen, ich hätte den Ausgang gekannt und mir mit einer gut platzierten Wette einen kleinen Bonus gönnen können. Dies ist allerdings nur Schein. Natürlich konnte niemand, der nicht in den Entscheidungsgremien sitzt oder eng damit zu tun hat wissen, was wirklich passieren würde. Dass es im Nachhinein den Anschein hat, als hätte man mehr gewusst als es tatsächlich der Fall war liegt daran, dass man die alternativen Ausgänge verdrängt.

Dieses Phänomen nennt sich auch Hindsight Bias oder Rückschaufehler.

Dieser Effekt kann bei nachträglicher Bewertung einer Entscheidungssituation autreten. Er verhindert das Lernen aus eigenen Fehlern und somit die Verbesserung der Beurteilung in zukünftigen, ähnlichen Situationen.


Beschreibung von Heuristiken und weiteren psychologischen Effekten

12. Februar 2008

Heute habe ich eine neue Seite hinzugefügt: “Heuristiken und Effekte“.

Dort werden in regelmäßigen Abständen kurze Beschreibungen oder Definitionen zu einzelnen Effekten eingestellt. Diese Seite soll als kleines Lexikon dienen, um mit den Begrifflichkeiten vertraut zu werden und sie bei Bedarf nachschlagen zu können.

Bereits eingestellt:

  • Anchoring / Verankerungsheuristik
  • Sunk-Cost-Effekt

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