Van Tharp über Analogien zwischen Poker und Trading

1. Oktober 2009

im seinem aktuellen Newsletter schreibt Van K. Tharp, bekannter Autor und Trading Coach, Zusammenhänge zwischen Trading und dem Pokerspiel Texas Hold’Em.

im Mai 2008 wurde dieses Thema bereits in diesem Blog aufgegriffen – hier geht’s zum Beitrag.

In seinem Artikel schreibt Van Tharp über Verluste, die dadurch entstehen, dass man zu viele Hände spielt (Poker) oder nicht auf Trades wartet, die ein gutes Gewinnpotential haben.

Eine Simulation der Gewinnchancen beim Poker zeigt, welche Blätter welche Gewinnwahrscheinlichkeiten aufweisen und  dass selbst gute Karten nur in bevorzugten Spielsituationen auch wirklich eine gute Aussicht auf Gewinn haben. Es wird klar, dass ein Spieler diese Gewinnwahrscheinlichkeiten kennen muss, um sein Spiel profitabel zu halten.

Dasselbe gilt für die Gewinnchancen von Handelssignalen. Welche Gewinnwahrscheinlichkeiten haben diese Signale und wie verändern sich diese in unterschiedlichen Marktsituationen?

Der Kontext spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Für alle Texas Hold’Em Spieler verändert sich die Gewinnchance mit dem Austeilen der Gemeinschaftskarten, die zur Hand eines jeden Spielers zählen. Dadurch kann sich das eigene Blatt verstärken, aber auch das der Gegner.

Im Trading verändert sich der Kontaxt ständig – durch neue Nachrichten, die Marktbewegungen und Korellationen zwischen Ländern, Sektoren und Einzelwerten, uvm.

Van Tharp fasst folgendermaßen zusammen:

Mit den meisten Trades verhält es sich wohl wie mit den Anfangskarten beim Poker: sind sie gut, verhelfen Sie einem zu einem kleinen Vorsprung. Wichig ist das Verhältnis zwischen Gewinn und Verlust. Es ist in Ordnung nur in 40 Prozent der Fälle Geld zu verdienen, wenn die Gewinne im Verhältnis zu den Verlusten bei 2:1 stehen. Zu viele Hände im Poker zu spielen kann das selbe beim Trading sein, wenn zu viele Trades (Overtrading) getätigt werden mit einem schlechten Verhältnis zwischen Risiko und Gewinnpotential mit dem auf lange Sicht nicht profitabel gehandelt werden kann.

Ich selbst spiele auch seit einiger Zeit diese Pokervariante und die Ähnlichkeit zum Trading fällt mir jedesmal wieder auf. Angefangen beim Risikomanagement bezogen auf das Konto und den Einsatz, bis hin zu Disziplin und mentalem Training. Emotionen wirken sich bei beiden Spielarten negativ auf das Ergebnis aus. Zuletzt liegt immer der richtig, der Geld verddient.


Börsen & Investment Messe Bodensee

14. August 2009

am 11./12. September findet in Lindau am Bodensee die Börsen & Investment Messe statt.

Ich werde am Stand des Investor Competence Centers (Stand 40) vor Ort sein und würde mich freuen, auch den ein oder anderen Blog-Leser dort persönlich begrüßen zu dürfen. Wir werden auch mehrere Vorträge anbieten zu den Themen Mentales Training und Risko-/Moneymanagement.

Zu vergünstigen Eintrittskarten kann man sich auf der Seite des Veranstalters registrieren.


Entscheidungsverhalten beeinflusst durch das Wetter

14. August 2008

Geht es Ihnen auch so, dass Sie gut gelaunt von der Arbeit nach Hause kommen, wenn draußen die Sonne scheint? Fühlen Sie sich ebenso gut, wenn es duster und regnerisch ist?

Ich habe länger keinen Beitrag hier veröffentlicht. Deshalb möchte ich heute mit einem etwas längeren Beitrag wieder ein bisschen Material zur Verfügung stellen, das sonst nur schwer zugänglich ist.

Natürlich beeinflusst das Wetter unseren Gemütszustand. Aber wirkt sich das auf unser Verhalten als Trader aus? Eine Studie von Peterson (2007) untersucht verschiedene wissenschaftliche Ergebnisse zum Thema Affekt und finanzielle Entscheidungsprozesse. Ich möchte eine Teil seiner Ergebnisse hier vorstellen, weil Sie aus der Masse herausstechen.

Vorgestellt wurde verschiedene Faktoren für eine Beeinflussung von Preisanomalien. Darunter wurde zum Beispiel das Wetter untersucht und herausgefunden, dass ein bewölkter Himmel sich auf die täglichen Aktienrenditen auswirkt. So wurde beispielsweise festgestellt, dass zwischen 1982 und 1997 eine negative Korrelation zwischen bewölktem Himmel und Aktienrenditen gezeigt werden konnte und dabei in New York City die Rendite aller Sonnentage 24,8% betrug im Gegensatz zur Rendite aller bewölkten Tage mit 8,7%.

Als mögliche Ursache wird der positive Effekt des schönen Wetters auf die Risikotoleranz angeführt. Dies bedeuted, das bei schönem Wetter die Risikotoleranz etwas steigt und dadurch auch eher gekauft wird, bzw. leichter ein Bullenmarkt entsteht. Bei schlechtem Wetter sinkt die Risikotoleranz und Anleger agieren verhalten und eher ängstlich.

Das Thema wird in dieser Veröffentlichung noch weiter verfolgt und Daten von saisonalen Beobachtungen analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Stimmung der Anleger saisonal verändert, was u.a. an der Veränderung der Länge des Tages liegt (im Herbst werden die Tage kürzer und es wird früher dunkel, im Frühjahr umgekehrt). Der Vergleich zeigte eine unterdurchschnittliche Rendite im Herbst und eine überdurchschnittliche Rendite im Frühjahr. Die Hypothese ist, dass diese Veränderung die Risikoeinstellung von uns Anlegern beeinflusst und daraus resultierend auch unser Anlageverhalten.

Nun wird es spannend, denn es wurden auch Auswirkungen magnetischer Stürme untersucht. Es handelt sich dabei um ein Wetterphänomen, das durch Sonneneruption entsteht und das Magnetfeld der Erde vorübergehend beeinflusst. Es wurde festgestellt, dass bis sechs Tage nach einem solchen Ereignis eine unterdurchschnittliche Marktrendite folgt. Es zeige sich auch, dass es eine Korrelation zwischen diesen Stürmen und Anzeichen von Depressionen in den darauffolgenden 2 Wochen gibt. Eine Depression wird unter anderem durch Risikoaversion charakterisiert, die sich auf unser Anlageverhalten auswirkt.

Nach diesem etwas ungewöhnlichen Exkurs sei gesagt, dass diese Studie zusammenfassend viele Ergebnisse über die Einflussfaktoren für Affekthandlungen vorgestellt hat, darunter auch den Einfluss psychischer Störungen und Medikamente und eine Systematik aus den Neurowissenschaften.

Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass Veränderungen in unserem Gemütszustand sich nachweislich auf unser Entscheidungsverhalten auswirken. Und gerade dieses gilt es individuell zu erforschen, um dadurch indizierte Fehler zu vermeiden oder zu reduzieren.


AMR Corporation testet die Stärke des Bedauerns

24. Juli 2008

Vor einigen Tagen schloss ich einen Trade, der hier mal als Beispiel dienen soll:

Ich hatte AMR zu einem ganz passablen Preis gekauft, habe mich an mein System gehalten und bin dann mit etwas über 30% Gewinn gemäß meinem Regelwerk wieder ausgestiegen. Ein rundum guter Trade, bei dem eigentlich alles richtig gemacht wurde. Jetzt möchte man meinen, dass man damit zufrieden sein könnte, das Problem ist aber das, was mit der Aktie passiert ist, nachdem ich ausgestiegen bin.

Als ob der Kurs nur auf mich gewartet hätte fing er sodann an zu steigen und zwar ins Unermessliche. An diesem Tag hätte ich statt dessen auch mit über 70% Gewinn aussteigen, also etwa verdoppeln können (in den darauffolgenden Tagen sogar fast 100% Gewinn).

Nehmen wir das mal auseinander:

- Ich bin gemäß meines Systems in die Position eingestiegen
- die Regeln wurden diszipliniert eingehalten
- das Ziel in dieser Position wurde erreicht, sogar weit überschritten
- die Position wurde anhand der Regeln des Systems geschlossen
- ein großer Gewinn wurde realisiert, durchaus nicht zu früh, sondern nach rationalen Kriterien

Soweit alles OK und alles richtig.

Was ist falsch gelaufen?

- nichts. Es hätten funktionierende Regeln übergangen werden müssen, damit an dem weiteren Kursanstieg hätte partizipiert werden können.

Die positiven Gesichtspunkte überwiegen also bei weitem. Dennoch beschleicht einen in dieser Situation ein Gefühl des Verlierens, das Bedauern darüber, dass man nicht doch gewartet hat und den zusätzlichen Gewinn nicht mitnehmen konnte und die Gier nach möglichen weiteren Gewinnen in dieser Kursbewegung.

Folgende Probleme können aus einer solchen Situation heraus entstehen:

- Die Gier an dem entgehenden Gewinn teilzuhaben während der Kurs weiter ansteigt könnte dazu führen, dass man die Position wieder eröffnet und in den Markt ohne weitere rationale Gründe einsteigt (entgegen der rationalen Gründe, die für den Ausstieg gesprochen hatten)

- Das System könnte entsprechend so optimiert werden, dass es das Halten der Position ermöglicht hätte. Dadurch wird aber u.U. die Gesamtperfomance des Systems verschlechtert und das Risiko erhöht.

-  es könnte mental der Eindruck entstehen, dass man falsch gehandelt hat. Dies steht dem positiven Lerneffekt entgegen und würde diesen eher umkehren, als stärken.

Zusammengefasstes Ergebnis im schlimmsten Falle:

- Verschlechterung des eigenen Handelssystems
- erhöhtes Risiko, dadurch u.U. Abgabe eines Teils des ansonsten realisierten Gewinns
- falsche Erfahrungen wirken der eigenen Disziplin, Rationalität und dem Lerneffekt entgegen

Möglichkeiten des Gegensteuerns:

Zuerst sollte man nicht vorschnell und grundlos in den Markt wieder einsteigen, sondern die Situation in Ruhe analysieren, um daraus zu lernen und in künftigen Situationen die gewonnene Erfahrung in die Entscheidungen einbringen. Sollte das aus emotionalen Gründen nicht machbar sein, darf der Kurs nach dem Ausstieg nicht weiter verfolgt werden. Alle Kursdiagramme und sonstigen Informationen über das gehandelte Instrument müssen verbannt werden.

Tradeanalyse: wie oben geschehen, muss der Trade analysiert werden. Was wurde richtig gemacht und welche Fehler haben sich u.U. eingeschlichen. Wurden Fehler gemacht, gilt es zu ergründen, warum und wie dies in Zukunft verhindert werden kann. Wurde alles wie geplant ausgeführt, gilt es herauszufinden, ob das System u.U. optimiert werden muss und auf welche Art. Wurde alles richtig gemacht (selbst wenn das System optimiert werden muss), dann war die Disziplin ausreichend und das eigene Handeln völlig korrekt. Das muss dann auch festgehalten werden. Hier kommt das Tradingjournal wieder zum Einsatz. Die Fakten werden festgehalten und lassen sich leichter analysieren, sowie nachträglich Statistiken darüber führen, wie gut die eigenen Vorgaben eingehalten wurden.

Vorsicht! die sachliche Analyse und zeitnahe Datenerhebung sind hierbei entscheidend. Vergleiche auch Hindsight Bias.

Diese Phase der Reflexion ist die wichtigste Phase im Anlageprozess, um positive Erfahrungen später gewinnbringend einsetzen zu können und die eigenen Emotionen in den Griff zu bekommen. In diesem Falle führt es dazu, dass man den Trade wieder als das sieht was er eigentlich ist: ein Gewinner.

Wenn das auf eigenes Handeln zurückzuführen ist (soweit man darauf Einfluss hatte), darf man sich ruhig gut dabei fühlen. Das bringt das nötige Selbstvertrauen, beim nächsten Mal wieder richtig zu handeln und sich an seine Regeln diszipliniert zu halten.


Abgrenzung von Reflection-Effekt und Dispositionseffekt

26. Mai 2008

Genau genommen ist der Dispositionseffekt ein Teil des Reflection-Effekts, weshalb dieser hier kurz graphisch dargestellt werden soll:

Quelle: Haimerl (2007): “Handlungsempfehlungen für Anleger aus Sicht der Behavioral Finance”

Der Reflection-Effekt beschreibt ein im Gewinn- und Verlustfall unterschiedliches Verhalten des Anlegers, in der Grafik diagonal gegenübergestellt. Er beinhaltet also zwei Fälle:

  1. Der erste Fall beschreibt den in der Praxis häufig auftretenden Umstand, dass Gewinne zu früh realisiert werden und an Verlusten zu lange festgehalten wird. Der Anleger verhält sich im Falle eines Gewinnes risikoavers, d. h. er bevorzugt eine sichere Alternative gegenüber einer unsicheren und realisiert den Gewinn zu früh, in der Befürchtung, dass dieser sich wieder in einen Verlust wandeln könnte. Im Falle eines Verlusts verhält er sich hingegen risikofreudig, indem er die unsichere Option gegenüber der sicheren bevorzugt. Er hält an den Verlusten fest in der Hoffnung, dass der Kurs wieder steigt und er zumindest den Einstiegskurs erreicht.
  2. Der zweite Fall beschreibt den umgekehrten Fall, nämlich ein im Gewinnfall risikofreudiges Verhalten und ein im Verlustfall risikoscheues Verhalten.

Diese beiden Fälle stellen den Reflection-Effekt dar.

Der erste Fall, der in der Grafik auch mit “1.” bezeichnet wird, stellt den Dispositionseffekt dar. Er ist also ein Teil des Reflection-Effekts.


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