Geht es Ihnen auch so, dass Sie gut gelaunt von der Arbeit nach Hause kommen, wenn draußen die Sonne scheint? Fühlen Sie sich ebenso gut, wenn es duster und regnerisch ist?
Ich habe länger keinen Beitrag hier veröffentlicht. Deshalb möchte ich heute mit einem etwas längeren Beitrag wieder ein bisschen Material zur Verfügung stellen, das sonst nur schwer zugänglich ist.
Natürlich beeinflusst das Wetter unseren Gemütszustand. Aber wirkt sich das auf unser Verhalten als Trader aus? Eine Studie von Peterson (2007) untersucht verschiedene wissenschaftliche Ergebnisse zum Thema Affekt und finanzielle Entscheidungsprozesse. Ich möchte eine Teil seiner Ergebnisse hier vorstellen, weil Sie aus der Masse herausstechen.
Vorgestellt wurde verschiedene Faktoren für eine Beeinflussung von Preisanomalien. Darunter wurde zum Beispiel das Wetter untersucht und herausgefunden, dass ein bewölkter Himmel sich auf die täglichen Aktienrenditen auswirkt. So wurde beispielsweise festgestellt, dass zwischen 1982 und 1997 eine negative Korrelation zwischen bewölktem Himmel und Aktienrenditen gezeigt werden konnte und dabei in New York City die Rendite aller Sonnentage 24,8% betrug im Gegensatz zur Rendite aller bewölkten Tage mit 8,7%.
Als mögliche Ursache wird der positive Effekt des schönen Wetters auf die Risikotoleranz angeführt. Dies bedeuted, das bei schönem Wetter die Risikotoleranz etwas steigt und dadurch auch eher gekauft wird, bzw. leichter ein Bullenmarkt entsteht. Bei schlechtem Wetter sinkt die Risikotoleranz und Anleger agieren verhalten und eher ängstlich.
Das Thema wird in dieser Veröffentlichung noch weiter verfolgt und Daten von saisonalen Beobachtungen analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Stimmung der Anleger saisonal verändert, was u.a. an der Veränderung der Länge des Tages liegt (im Herbst werden die Tage kürzer und es wird früher dunkel, im Frühjahr umgekehrt). Der Vergleich zeigte eine unterdurchschnittliche Rendite im Herbst und eine überdurchschnittliche Rendite im Frühjahr. Die Hypothese ist, dass diese Veränderung die Risikoeinstellung von uns Anlegern beeinflusst und daraus resultierend auch unser Anlageverhalten.
Nun wird es spannend, denn es wurden auch Auswirkungen magnetischer Stürme untersucht. Es handelt sich dabei um ein Wetterphänomen, das durch Sonneneruption entsteht und das Magnetfeld der Erde vorübergehend beeinflusst. Es wurde festgestellt, dass bis sechs Tage nach einem solchen Ereignis eine unterdurchschnittliche Marktrendite folgt. Es zeige sich auch, dass es eine Korrelation zwischen diesen Stürmen und Anzeichen von Depressionen in den darauffolgenden 2 Wochen gibt. Eine Depression wird unter anderem durch Risikoaversion charakterisiert, die sich auf unser Anlageverhalten auswirkt.
Nach diesem etwas ungewöhnlichen Exkurs sei gesagt, dass diese Studie zusammenfassend viele Ergebnisse über die Einflussfaktoren für Affekthandlungen vorgestellt hat, darunter auch den Einfluss psychischer Störungen und Medikamente und eine Systematik aus den Neurowissenschaften.
Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass Veränderungen in unserem Gemütszustand sich nachweislich auf unser Entscheidungsverhalten auswirken. Und gerade dieses gilt es individuell zu erforschen, um dadurch indizierte Fehler zu vermeiden oder zu reduzieren.
Verfasst von Martin Haimerl 