Entscheidungsverhalten beeinflusst durch das Wetter

14. August 2008

Geht es Ihnen auch so, dass Sie gut gelaunt von der Arbeit nach Hause kommen, wenn draußen die Sonne scheint? Fühlen Sie sich ebenso gut, wenn es duster und regnerisch ist?

Ich habe länger keinen Beitrag hier veröffentlicht. Deshalb möchte ich heute mit einem etwas längeren Beitrag wieder ein bisschen Material zur Verfügung stellen, das sonst nur schwer zugänglich ist.

Natürlich beeinflusst das Wetter unseren Gemütszustand. Aber wirkt sich das auf unser Verhalten als Trader aus? Eine Studie von Peterson (2007) untersucht verschiedene wissenschaftliche Ergebnisse zum Thema Affekt und finanzielle Entscheidungsprozesse. Ich möchte eine Teil seiner Ergebnisse hier vorstellen, weil Sie aus der Masse herausstechen.

Vorgestellt wurde verschiedene Faktoren für eine Beeinflussung von Preisanomalien. Darunter wurde zum Beispiel das Wetter untersucht und herausgefunden, dass ein bewölkter Himmel sich auf die täglichen Aktienrenditen auswirkt. So wurde beispielsweise festgestellt, dass zwischen 1982 und 1997 eine negative Korrelation zwischen bewölktem Himmel und Aktienrenditen gezeigt werden konnte und dabei in New York City die Rendite aller Sonnentage 24,8% betrug im Gegensatz zur Rendite aller bewölkten Tage mit 8,7%.

Als mögliche Ursache wird der positive Effekt des schönen Wetters auf die Risikotoleranz angeführt. Dies bedeuted, das bei schönem Wetter die Risikotoleranz etwas steigt und dadurch auch eher gekauft wird, bzw. leichter ein Bullenmarkt entsteht. Bei schlechtem Wetter sinkt die Risikotoleranz und Anleger agieren verhalten und eher ängstlich.

Das Thema wird in dieser Veröffentlichung noch weiter verfolgt und Daten von saisonalen Beobachtungen analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Stimmung der Anleger saisonal verändert, was u.a. an der Veränderung der Länge des Tages liegt (im Herbst werden die Tage kürzer und es wird früher dunkel, im Frühjahr umgekehrt). Der Vergleich zeigte eine unterdurchschnittliche Rendite im Herbst und eine überdurchschnittliche Rendite im Frühjahr. Die Hypothese ist, dass diese Veränderung die Risikoeinstellung von uns Anlegern beeinflusst und daraus resultierend auch unser Anlageverhalten.

Nun wird es spannend, denn es wurden auch Auswirkungen magnetischer Stürme untersucht. Es handelt sich dabei um ein Wetterphänomen, das durch Sonneneruption entsteht und das Magnetfeld der Erde vorübergehend beeinflusst. Es wurde festgestellt, dass bis sechs Tage nach einem solchen Ereignis eine unterdurchschnittliche Marktrendite folgt. Es zeige sich auch, dass es eine Korrelation zwischen diesen Stürmen und Anzeichen von Depressionen in den darauffolgenden 2 Wochen gibt. Eine Depression wird unter anderem durch Risikoaversion charakterisiert, die sich auf unser Anlageverhalten auswirkt.

Nach diesem etwas ungewöhnlichen Exkurs sei gesagt, dass diese Studie zusammenfassend viele Ergebnisse über die Einflussfaktoren für Affekthandlungen vorgestellt hat, darunter auch den Einfluss psychischer Störungen und Medikamente und eine Systematik aus den Neurowissenschaften.

Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass Veränderungen in unserem Gemütszustand sich nachweislich auf unser Entscheidungsverhalten auswirken. Und gerade dieses gilt es individuell zu erforschen, um dadurch indizierte Fehler zu vermeiden oder zu reduzieren.


Hoffnung und Enttäuschung im Doppelpack mindern die Rendite!

3. Juni 2008

“Leider betrachtet der Mensch die Welt selten realistisch, sondern lieber ideologisch. Anstatt die Welt zu sehen, wie sie ist, stellt er sich vor, wie sie sein könnte – und ist dann enttäuscht, wenn die Realität nicht mit dem Wunschbild übereinstimmt.”1

Dieses schöne und treffende Zitat stammt von Dieter Nuhr (Webseite: http://www.nuhr.de), einem intelligenten Zeitgenossen und Comedian mit Niveau. In diesem Zitat stecken Hoffnung und Enttäuschung - emotionale Gebundenheit statt rationalen Überlegens. Natürlich hat er Recht, aber was hilft uns das als Anleger?

Hoffnung steckt im sog. Dispositionseffekt. der dafür sorgt, dass wir an unseren Verlustpositionen weiter festhalten und hoffen, dass wir doch vielleicht mit einem blauen Auge davon kommen. So vergrößern sich die Verluste und fressen die Gewinne auf – Rendite adieu!

Die Enttäuschung (engl.: regret) finden wir in der Regretaversion wieder. Wir versuchen Enttäuschungen zu vermeiden und fällen Entscheidungen in der Art, dass die zu erwartende Enttäuschung möglichst gering ausfällt. Um nicht allein als Verlierer dazustehen, wird sich Entscheidungen anderer angeschlossen und die Verantwortung auf eine Mehrheit oder Experten abgewälzt. Wir suchen nach Informationen, die die getroffene Entscheidung bestärken und vernachlässigen Informationen, die ihr entgegen stehen.

Dies führt letztendlich auch zur Verfügbarkeitsheuristik, einem Phänomen, bei dem wir nicht nur bestätigende Informationen suchen, sondern aus diesem verzerrten Bild den Schluss ziehen, dass die Entscheidung richtig war und immer noch ist.

Es werden keine rationalen Entscheidungen mehr über den betreffenden Sachverhalt (beispielsweise eine offene Aktienposition) gefällt, sondern es stellt sich eine Willkür ein, die einer positiven Rendite des finanziellen Engagements entgegenwirkt.


1 Nuhr Dieter (2007): “Wer’s glaubt, wird selig“, 4. Aufl., Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 183


“Rogue Trader” und ihre physiologischen Besonderheiten

16. Mai 2008

Als Rogue Trader werden Anleger bezeichnet die aggressiv handeln und mit hohem Risiko versuchen hohe Rendite zu erwirtschaften – meistens vor dem Hintergrund, große eingetretene Verluste wieder ausgleichen zu wollen.

Frank Murtha stellte im Februar Informationen über das Gehirn sogenannter “Rogue Trader” auf CNBC zur Verfügung. Den Beitrag habe ich auf seinem Blog Stock Market Psychology: New research and market events gefunden (Autor: Richard L. Peterson). Hier der Link zum CNBC Interview (engl.):

CNBC Interview

Beispiele sind der Fall der Société Générale und Barings Bank, über die hier bereits berichtet wurde.

Der TV-Beitrag beschreibt den Einfluss der Emotionen und Murtha nennt folgende Punkte, um diese in den Griff zu bekommen:

  • belohnen Sie sich für die richtigen Entscheidungen, nicht für erreichte Gewinne
  • folgen Sie Ihrem Plan, nicht Ihren Emotionen
  • vermeiden Sie Trading unter Stress

Die Physiologie stellt jedoch keinen Freibrief für die entsprechenden Konsequenzen aus, da die Effekte in den Griff zu bekommen sind.


Rationalität beim Bücherkauf oder warum Deutsche zu viel bezahlen

15. Mai 2008

Ich habe mich mal wieder für ein Buch interessiert und ein wenig gestöbert. Es handelt sich dabei um ein englischsprachiges Exemplar, weil ich erstens gerne auf englisch lese und zweitens die deutschen Übersetzungen von engl. Werken meistens grottenschlecht sind – dabei hapert es nicht nur sprachlich, sondern auch der Sinn wird meistens nicht getroffen und somit ist der Inhalt auch nicht derselbe.

Deshalb erste Empfehlung:

Nach Möglichkeit ein Buch immer in der Originalversion lesen. Ist im Finanzbereich relativ einfach, weil die meiste Literatur auf Englisch ist und das lässt sich auch mit schlechten Englischkenntnissen, einem guten Lexikon und ein wenig Zeit hervorragend bewerkstelligen. Passen Sie dabei auf, dass es sich nicht um eine englische Übersetzung aus dem Deutschen handelt. Original deutsche Werke sollten auch auf deutsch gelesen werden.

Ich habe das Buch also bei einem großen Onlineanbieter gefunden und kam dann irgendwie auf die Idee, mal auf der amerikanischen Seite dieses Anbieters zu suchen. Dort wird das Buch natürlich auch angeboten, etwa zum gleichen Preis, allerdings in Dollar. Ich meine damit der Dollarbetrag ist genauso hoch wie der Eurobetrag bei einer Umrechnung von 1:1.

Die Globalisierung macht es möglich und aus Deutschland kann auch in USA bestellt werden. Jetzt ist das Problem, dass ich in Deutschland keine Versandkosten bezahle, in USA aber schon, weil die etwas weiter verschicken müssen. Der Vorteil ist der Euro-Dollar-Kurs! Rechne ich den Preis und die Versandkosten zusammen und das Ganze dann in Euro um, komme ich sage und schreibe etwa 25% günstiger weg, als wenn ich das Buch hier kaufe. Nachteil ist die lange Lieferzeit, die etwa 2 1/2 bis gut 4 Wochen beträgt.

Zweite Empfehlung:

Wird das Buch nicht dringend benötigt, ruhig auch mal woanders recherchieren. Gerade beim derzeitigen Dollarkurs macht das (wie bei vielen anderen Dingen auch) durchaus Sinn. 25% müssen im Depot hart erkämpft werden, hier werden sie einem geschenkt.

Muss ich das Buch in zwei Tagen geliefert bekommen? Ich habe mich für die 25% Ersparnis entschieden – eine für mich rationale Entscheidung.

Kleiner Nebeneffekt:
Die Vorfreude dauert etwas länger. Ich habe also auch noch einen emotionalen Zugewinn über die Genugtuung des günstigeren Preises hinaus.

Hinweis:
Unter Umständen kann sich die Lieferzeit noch ein paar Tage verlängern, wenn das Päckchen beim Zoll landet.


Falsche Risikowahrnehmung durch Fehlinterpretation des Kurs-Gewinn-Verhältnisses

6. Mai 2008

Untersuchungen zeigen, dass Anleger von Unternehmen, die in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielt haben, erwarten, dieses auch in der Zukunft fortzuführen. Dabei wird auch erwartet, dass Unternehmen, die ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) erreichten, solche in der Zukunft schlagen werden, die ein niedriges KGV erreichten.

Dieses Verhalten trifft auch auf Analysten zu, die entsprechend der eben genannten Neigung Unternehmen empfehlen.

Die Risikowahrnehmung zeigt sich in der Art, dass ein niedriges KGV als hohes Risiko eingestuft wird und wegen niedriger erwarteter Renditen ungern in solche Unternehmen investiert wird.

Die generelle Anahme ist aber, dass hohes Risiko mit hohen Chancen einher geht. Für hohe erwartete Gewinne muss der Anleger bereit sein, auch ein höheres Risiko zu akzeptieren und bei niedrigem Risiko sollte die erwartete Rendite entsprechend geringer ausfallen.

Dies stellt einen Gegensatz zur festgestellten Risikowahrnehmung dar, bei der niedrige erwartete Renditen mit einem hohen Risiko verknüpft werden.

Es tritt eine Fehlinterpretation auf Basis des KGV ein.

Wie bringt das den Anleger weiter?

Wenn er in seiner logischen Beurteilung einer Aktie zu dem Schluss kommt, dass ein hohes KGV einem niedrigen KGV vorzuziehen sei, weil er das Risiko geringer einschätzt, dann unterliegt er einer Fehlinterpretation des Risikos. Bei einer Selektion und Entscheidung zwischen mehreren Aktien, kann das das dazu führen, dass Werte ins Portfolio genommen werden, die ein zu hohes Risiko aufweisen. Dieses Wissen kann er dazu einsetzen, die Situation neu zu bewerten und anhand seiner individuellen Risikotoleranz eine bessere Entscheidung zu treffen.


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