Investors Intelligence – Advisors’ Sentiment Report

18. April 2008

Der im Titel genannte Bericht verfolgt die Stimmung (Sentiment) in Newslettern. Er teilt Sie in die Kategorien Bullish, Bearish oder Korrektur ein. Die Relation der einzelnen Kategorien zueinander wird im “Bullish Sentiment Index” wiedergegeben.

Dieser Index soll als Kontraindikator zur Marktrichtung dienen. Wenn der Index also hohe Werte erreicht, soll ein fallender Markt angezeigt werden und umgekehrt.

Die Analysen dazu können einem Newsletter, dem Advisors’ Sentiment Report entnommen werden. Dieser wird bereits seit 1963 verteilt und soll laut Webseite von Investors Intelligence regelmäßig die großen Umkehrpunkte im Markt vorhergesagt haben.

Um die Hoffnung des Lesers gleich im Keim zu ersticken: den heiligen Gral findet man hier ebenfalls nicht. Wissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, die Prognosefähigkeit auszuwerten. Dabei wurde zwar festgestellt, dass tatsächlich einige Wenden mit diesem Index erfolgreich vorhergesagt wurden, jedoch liegt man damit etwa gleich oft richtig wie auch falsch. Damit wären wir wieder beim Münzwurf angekommen. Von einer Prognosefähigkeit des Index kann deshalb leider nicht ausgegangen werden.

Warum glauben trotzdem viele Anleger daran? Nun das hat wieder etwas mit dem Grad der Verpflichtung zu tun (Commitment). Wenn man gemäß einem solchen Newsletter entscheidet, ist man für eine falsche Entscheidung nie wirklich selbst verantwortlich. Man hat immer die Ausrede, dass die Profis es ja auch nicht wissen. Dies erleichtert einem bereits im Vorfeld die Entscheidung. Man spricht von der kognitiven Dissonanz, einem Unbehagen, das dadurch auftritt, dass die gefällte Entscheidung immer auch negative Punkte aufweist und ausgeschlagene Optionen auch positive Punkte aufweisen. Im Endeffekt hat es also weniger etwas mit Glauben zu tun, sondern mit dem Versuch, das Commitment zu reduzieren und sich mit seiner Entscheidung besser zu fühlen.


Auswertung zur Overconfidence – Umfrage im Seminar

17. April 2008

In unserem Seminar und dem Beitrag zur Behavioral Finance am 15.04.08 verwendeten wir einen kleinen Fragenkatalog, um die Auswirkungen von Overconfidence zu demonstrieren. Es waren verschiedene Werte zu schätzen und dabei sollten zusätzlich eine Ober- und Untergrenze genannt werden, zwischen denen der tatsächliche Wert mit hoher Sicherheit (90%) liegen sollte.

Bei dieser Aufgabenstellung ist das Ziel, dass 5 Antworten (bei 6 Fragen) richtig beantwortet werden. Das entspräche zwar etwa 83% statt 90%, da dies in der Praxis aber schwer zu unterscheiden ist, ist diese Annäherung hier völlig ausreichend.

Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammen fassen:

1. 19% der Teilnehmer erfüllten diese Anforderungen und wählten mit ihren Grenzen den Antwortbereich ausreichend groß. Die restlichen 81% unterlagen einer Selbstüberschätzung als Konsequenz der Overconfidence

2. Bei 75% der Teilnehmer waren maximal die Hälfte der Antwortbereiche groß genug gewählt, um einen Treffer zu landen. Dies entspricht einer Trefferwahrscheinlichkeit von 50% oder weniger. Eine solche 50:50 Chance, entspricht einem sehr niedrigen Sicherheitsniveau (ist gleichbedeutend mit raten).
Im Klartext bedeutet das: man könnte bei einer Entscheidung mit zwei Alternativen (z.B. Marktrichtung long oder short) auch eine Münze werfen und würde ein ähnliches Ergebnis erreichen.

3. Bei der Abgabe der Antworten zeigt sich, das die Ober- und Untergrenzen nicht den selben Abstand zum Schätzwert aufweisen. Es ergibt sich eine Verzerrung in die ein oder andere Richtung.
Beispiel: Untergrenze, Schätzung und Obergrenze: 90, 100, 115
Die Untergrenze ist hier 10 von der Schätzung entfernt, die Obergrenze aber 15. Der Schätzwert liegt somit nicht in der Mitte des Prognosebandes.

Fazit:

Die Annahme, dass sich ein Großteil der Teilnehmer überschätzen würde, wurde bestätigt. Dies steht im Einklang mit den bisherigen Studienergebnissen zur Overconfidence. Es zeigt, dass wir als Anleger davon ausgehen müssen, diesem Effekt zu unterliegen.


Was sind eigentlich Heuristiken?

29. Februar 2008

In der Behavioral Finance stolpert man ständig über sogenannte Heuristiken.

Heuristiken sind Regeln/Strategien der Informationsverarbeitung, die mit geringem Aufwand zu einem schnellen, aber nicht garantiert optimalen Ergebnis führen können. Man könnte auch Faustregeln dazu sagen.

Diese Heuristiken entwickeln sich im Laufe unseres Lebens und wir eignen Sie uns unter anderem durch Versuch und Irrtum an. Das was funktioniert, nehmen wir als Option zur Problemlösung an und verwenden es immer wieder.

Sie helfen uns in erster Linie bei der Komplexitätsreduzierung und der Prognose von Zahlen. Normalerweise sind Sie für uns sehr nützlich, weil sie uns bei der Verarbeitung komplexer Informationen helfen und Probleme überschaubarer machen.

Manchmal führen derartige Vereinfachungsprozesse zu fehlerhaftem Verhalten, insbesondere beim Umgang mit finanziellem Risiko. Da dies bei Anlegern täglich der Fall ist, taucht dieses systematische Fehlverhalten auch häufig auf.

Heuristiken werden im Zusammenhang mit finanziellen Entscheidungen meist negativ dargestellt, weil sie uns zu falschen Entscheidungen verleiten.


Der Hindsight Bias als Lern-Hemmer

26. Februar 2008

Eine Situation nachträglich zu beurteilen fällt uns generell leichter, als eine Prognose über zukünftige Ereignisse zu erstellen. Der Ausgang ist bereits klar und es stehen zusätzliche Informationen bereit, die bei einer ex post Beurteilung helfen.

Ein typisches allgemeines Beispiel hierfür sind Unfälle mit menschlichem Versagen. Nachträglich fragt man sich, wie so etwas passieren konnte. Es erscheint offensichtlich, dass eine bestimmte Reaktion diesen Unfall herbeiführen musste.

An den Finanzmärkten treten solche Situationen häufig bei nachträglichen Analysen und Erklärungsversuchen auf, etwa wenn ein Trend bereits entstanden ist und man mit Hilfe diverser Tools diesen klar ersichtlich zeigen kann. Im Voraus ist es jedoch etwas schwieriger solche Analysen punktgenau in Form einer Prognose zu erstellen.

Dieser Effekt, bei dem es nachträglich erscheint, als hätten aktuelle Informationen bereits früher zur Verfügung gestanden, nennt sich Hindsight Bias oder Rückschaufehler.

Eine Situation in der sich dieser Fehler auf uns nachteilig auswirkt ist die Reflexion vergangener Entscheidungen und damit der verminderte Lerneffekt. Wenn wir unsere Entscheidungen nachträglich bewerten, um von unseren Fehlern zu lernen, ist es nicht sehr hilfreich zu glauben, man hätte es eigentlich besser gewusst und beim nächsten Mal würde man es richtig machen. Der Hindsight Bias verhindert die Einsicht, dass man tatsächlich falsch gehandelt hat, weil man erstens bestimmte Informationen nicht hatte und zweitens die verfügbaren Informationen vielleicht falsch interpretiert hat. Diese fehlende Einsicht verhindert unseren Lerneffekt und beim nächsten Mal machen wir denselben Fehler.

Wie bei den meisten solchen Effekten tritt auch der Hinsight Bias unbewusst auf, weshalb er bei fehlender Kenntnis schwer bis gar nicht kontrollierbar ist.


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