Nun ist die Diskussion um den Transrapid endlich vom Tisch. Das Projekt ist gestoppt. Was das für den Technologiestandort Deutschland bedeutet, möchte ich hier nicht diskutieren.
Dieses Ereignis soll als Beispiel zum Sunk-Cost-Effekt dienen.
Jahrzehntelang wurde in dieses Projekt investiert. Zuletzt geplant war eine Realisation auf einer Kurzstrecke von München zum 30 km entfernten Flughafen. Offensichtlich hat sich herausgestellt, dass dieses Projekt zu teuer wird. Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Transrapid wird das Vorhaben nun gestoppt.
Der Sunk-Cost-Effekt verleitet uns dazu, in Verlustprojekte stärker zu investieren als in andere und an diesen äußerst lange fest zu halten, solange bis eine Schmerzgrenze erreicht ist, die wir nicht mehr vertreten können und letztendlich den Verlust in Kauf nehmen. An welcher Stelle findet sich die aktuelle Entscheidung wieder? Die FAZ schreibt heute vom Stop-and-Go-Verkehr der Politik und darüber, welche Rückschläge der Transrapid bis heute verzeichnen musste. Das Einstellen des Projekts ist im Zuge der Wirtschaftlichkeit wohl die richtige Entscheidung. Dem heutigen Informtionsstand nach kommt sie aber zu spät. Auch hier tritt der Sunk-Cost-Effekt wieder zu Tage. Es ist wohl eher die Schmerzgrenze erreicht, an der es einfach nicht mehr weiter geht.
Als Anleger kann man diesen Fall nutzen, um sein Bewusstsein für diesen Effekt zu schärfen. Da uns diese psychlogischen Effekte immer dann am härtesten treffen, wenn sie unbewusst auftreten, ist es notwendig, das Auge dafür zu schulen. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine Kapitalanlage im Sinne eines an den Börsen investierten Anleger handelt, hilft die Erkenntnis trotzdem.
Sie schafft das Bewusstsein für den Effekt und verbessert somit die Erkennungsrate. Dies hilft dann wiederum bei der eigenen Kapitalanlage, solche Effekte zu erkennen.
Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass bei der nachträglichen Betrachtung der jetzt zur Verfügung stehenden Informationen zum Transrapid der Hindsight Bias nicht ausgeschlossen werden kann.
Verfasst von Martin Haimerl 