Der Transrapid als Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt

27. März 2008

Nun ist die Diskussion um den Transrapid endlich vom Tisch. Das Projekt ist gestoppt. Was das für den Technologiestandort Deutschland bedeutet, möchte ich hier nicht diskutieren.

Dieses Ereignis soll als Beispiel zum Sunk-Cost-Effekt dienen.

Jahrzehntelang wurde in dieses Projekt investiert. Zuletzt geplant war eine Realisation auf einer Kurzstrecke von München zum 30 km entfernten Flughafen. Offensichtlich hat sich herausgestellt, dass dieses Projekt zu teuer wird. Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Transrapid wird das Vorhaben nun gestoppt.

Der Sunk-Cost-Effekt verleitet uns dazu, in Verlustprojekte stärker zu investieren als in andere und an diesen äußerst lange fest zu halten, solange bis eine Schmerzgrenze erreicht ist, die wir nicht mehr vertreten können und letztendlich den Verlust in Kauf nehmen. An welcher Stelle findet sich die aktuelle Entscheidung wieder? Die FAZ schreibt heute vom Stop-and-Go-Verkehr der Politik und darüber, welche Rückschläge der Transrapid bis heute verzeichnen musste. Das Einstellen des Projekts ist im Zuge der Wirtschaftlichkeit wohl die richtige Entscheidung. Dem heutigen Informtionsstand nach kommt sie aber zu spät. Auch hier tritt der Sunk-Cost-Effekt wieder zu Tage. Es ist wohl eher die Schmerzgrenze erreicht, an der es einfach nicht mehr weiter geht.

Als Anleger kann man diesen Fall nutzen, um sein Bewusstsein für diesen Effekt zu schärfen. Da uns diese psychlogischen Effekte immer dann am härtesten treffen, wenn sie unbewusst auftreten, ist es notwendig, das Auge dafür zu schulen. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine Kapitalanlage im Sinne eines an den Börsen investierten Anleger handelt, hilft die Erkenntnis trotzdem.

Sie schafft das Bewusstsein für den Effekt und verbessert somit die Erkennungsrate. Dies hilft dann wiederum bei der eigenen Kapitalanlage, solche Effekte zu erkennen.

Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass bei der nachträglichen Betrachtung der jetzt zur Verfügung stehenden Informationen zum Transrapid der Hindsight Bias nicht ausgeschlossen werden kann.


Hab ich’s doch gewusst!

13. Februar 2008

… könnte ich heute sagen. Die Politik hat der IKB nun eine weitere Finanzspritze gewährt.

Wie schon am Montag hier beschrieben, weist das auf den Sunk-Cost-Effekt hin, über den ich heute allerdings gar nicht schreiben möchte.

Die Frage lautet doch: Woher habe ich das gewusst und was denn genau?

Rückblickend könnte ich meinen, ich hätte den Ausgang gekannt und mir mit einer gut platzierten Wette einen kleinen Bonus gönnen können. Dies ist allerdings nur Schein. Natürlich konnte niemand, der nicht in den Entscheidungsgremien sitzt oder eng damit zu tun hat wissen, was wirklich passieren würde. Dass es im Nachhinein den Anschein hat, als hätte man mehr gewusst als es tatsächlich der Fall war liegt daran, dass man die alternativen Ausgänge verdrängt.

Dieses Phänomen nennt sich auch Hindsight Bias oder Rückschaufehler.

Dieser Effekt kann bei nachträglicher Bewertung einer Entscheidungssituation autreten. Er verhindert das Lernen aus eigenen Fehlern und somit die Verbesserung der Beurteilung in zukünftigen, ähnlichen Situationen.


Die Rettungsversuche zur IKB und der Sunk-Cost-Effekt

11. Februar 2008

Heute liest man über ein weiteres Milliarden-Loch der IKB Deutsche Industriebank AG, die durch die Hypothekenkrise schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Milliarden schweren Hilfspaketen muss nun wieder in die Trickkiste gegriffen werden, um die Bank vor der Insolvenz zu retten.

Hier tritt ein recht gängiger und leicht nachvollziehbarer Effekt in Erscheinung: der Sunk-Cost-Effekt.

In diesem Zusammenhang beschreibt dieser das Verhalten in ein Verlustprojekt weiter zu investieren, wenn dort unwiederbringliche Kosten angefallen sind. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: während Zeit und Geld in das verlustträchtige Projekt investiert werden, werden andere Chancen nicht wahrgenommen. Oft muss das Projekt letztendlich aufgegeben werden, oder wird um ein Vielfaches teurer, als eine Investition an anderer Stelle.

Im Falle der IKB wurden bereits zwei Hilfspakete geschnürt, die nach aktuellen Informationen immer noch nicht ausreichen. Ein klassisches Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt.

Die Entscheidung ist sicherlich schwer und die Folgen für die deutsche Wirtschaft können in jedem Falle dramatisch ausfallen. Wird dies, wenn es dazu kommt, die letzte Hilfe für die Renovierung der IKB bleiben? Politik und deutsche Kreditwirtschaft werden daran sicherlich noch ein wenig zu beißen haben.


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