Empirische Ergebnisse zur Overconfidence

16. Juli 2008

Auf der Trading Expo in Aschaffenburg am 03. und 04.07.08 hatte ich die Gelegenheit, einige Teilnehmer im Rahmen eines Workshops und eines Seminars zu befragen und die Ergebnisse auszuwerten.

Es wurden Fragen gestellt, die das Schätzvermögen der Teilnehmer beurteilen und eine Vergleichbarkeit zu bisherigen Studien gewährleisten sollten.

Die Ergebnisse können nachfolgend eingesehen werden und zeigen eine weite Verbreitung des in der Behavioral Finance als “Overconfidence” bekannten Effekts.

Es konnte gezeigt werden, dass die meisten Teilnehmer dem Effekt der Overconfidence unterliegen und ihr Schätzvermögen besser einschätzen, als es tatsächlich ist. Die Ergebnisse belegen, dass wir als Anleger grundsätzlich davon ausgehen müssen, dass wir von diesem Effekt negativ beeinflusst werden.

Hier geht’s zur Auswertung!


vorläufige Auswertung zur Overconfidence in Aschaffenburg

8. Juli 2008

Die vorläufigen Ergebnisse der Auswertung zur Overconfidence auf der Trading EXPO in Aschaffenburg können bei den Auswertungen eingesehen werden. Es sind bisher die Daten der Teilnehmer vom Do, 03.07. berücksichtigt.

Hier geht’s zu den ersten Ergebnissen


Overconfidence und Kontrollillusion bei Analysten

27. Juni 2008

Overconfidence bei Analysten ist ein bekanntes Problem. Erfahrene Profis scheinen eher schwerer davon betroffen zu sein, da sie mehr Vertrauen in ihr Wissen und ihre Fähigkeiten legen, als Kollegen mit weniger Erfahrung.

Auch ist das Ausmaß der Overconfidence abhängig davon, wie oft ein Analyst in der Vergangenheit richtig gelegen hat und steigert sich mit zunehmendem Erfolg.

Studien von Stolz und Nitzsch1 konnten zeigen, dass die Auswirkungen von Overconfidence bei Gewinnprognosen höher sind, als bei Kursprognosen. Analysten glauben, dass bei Kursprognosen das Glück eine größere Rolle spielt. Bei Gewinneinschätzungen hingegen werden detailliertes Wissen und Erfahrung als Determinanten für den Erfolg verantwortlich gemacht. Dies vermittelt den Eindruck, mehr Kontrolle zu haben, was zu einem höheren Maß an Overconfidence bei Gewinnprognosen führt.

Generell schätzen 60-70% der Analysten ihre eigene Performance besser ein, als den Durchschnitt ihrer Kollegen.


1 Stotz O., von Nitzsch R. (2005): “The Percption of Control and the Level of Overconfidence: Evidence from Analyst Earnings Estimates and Price Targets”, in: The Journal of Behavioral Finance, Vol. 6, S. 121-128.


Ausreden, die wir eigentlich gar nicht bewusst verwenden wollen

11. Juni 2008

Folgendes durfte ich dieser Woche auf wallstreet:online lesen!

Der Kommentar stammt von einem dort angemeldeten Benutzer, der wie es scheint regelmäßig Handelsempfehlungen dort veröffentlicht. Ob selbsternannt oder nicht (ich habe die Performance nicht überprüft) dürfte er zumindest als mehr oder weniger erfahrener Händler gelten. Er schreibt:

“Es besteht für einen Aktienhändler weder während eines Ankaufes noch während eines Verkaufes eine emotionale Beteiligung an dem Handel. Denn der Handel ist das Ergebnis einer Modellbetrachtung und kann niemals infrage gestellt werden. Einzig das Modell, welches zur Entscheidung des Handels führte kann infrage gestellt werden.”

Dies ist ein klassischer Fall von Overconfidence. Er ist davon überzeugt, dass er an seinem Handel nicht emotional beteiligt ist. Da das System wohl von ihm stammt, sind aber Emotionen nicht auszuschließen. Allein die Tatsache, dass das System entweder profitabel oder verlustträchtig arbeitet, schürt unter Verwendung der Signale entweder Freude über den Erfolg oder Bedauern (Regret) über den Verlust. Wenn das System gut ist, kommt auch noch Stolz hinzu, sofern das System von ihm selbst ist. Trotzdem ist er der festen Überzeugung, dass er die Emotionen außen vor lassen kann.

Wenn er diszipliniert handelt, mag er bei der Umsetzung der Signale Recht haben, wenn diese 1:1 umgesetzt werden. Aus diesem Grund führt man solche Systeme ein, damit es eine klare Entscheidungsgrundlage gibt, die nicht in Frage gestellt werden muss und mechanisch ausgeführt werden kann (solange die Performance zufriedenstellend ist). Das Vertrauen in das System spielt dabei eine wichtige Rolle. Sobald jedoch eine Position geöffnet ist und im zeitlichen Verlauf auch betrachtet wird (wie verändert sich der Kurs,; ist die Position im Gewinn oder Verlust) stellen sich automatisch Emotionen ein (Angst, Gier, Hoffnung, Genugtuung, Freude, …). Das lässt sich auf Grund unseres “Bauplans” auch gar nicht vermeiden. Die Auswirkungen können jedoch besser kontrolliert werden.

Der letzte Satz des Zitats ist spannend, wil hier noch ein weiterer Effekt hinzu kommt: der sog. Self-Attribution Bias.

Er schreibt, der Handel selbst kann nie in Frage gestellt werden, lediglich das Entscheidungsmodell. Wenn es also funktioniert, steht der Händler gut da und natürlich erntet er die Loorbeeren. Funktioniert es nicht, wird die Schuld unbewusst auf das Modell geschoben. Es dient als Ausrede für die schlechte Performance und mildert zusätzlich das Bedauern (Regret) des Händlers.

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch sog. Experten in psychologische Fallen treten. Hier ist ebenfalls erkennbar, dass die Effekte unbewusst auftreten.


Konstante Gewinne statt Achterbahnfahren im Depot – Teil II

30. April 2008

Gestern wurde bereits der erste Teil vorgestellt mit einem Beitrag zur Ergebnisvolatilität.

Eine solche Ergebnisvolatilität steht in Zusammenhang mit persönlichen Eigenschaften des Anlegers. Dies sind das

  • Tradingvolumen (Häufigkeit der getätigten Wertpapierkäufe und -verkäufe)
  • das individuelle Verständnis des Handlungsumfelds (Markt, gehandelte Instrumente, Unternehmensbewertung, verwendete Strategie, …)
  • und das Selbstvertrauen des Anlegers

Je stärker diese Eigenschaften ausgeprägt sind, desto höher ist auch die Ergebnisvolatilität.

Fazit:

Betrachtet man diese Informationen als Ganzes, so lässt sich feststellen, dass den Eigenschaften die sog. Overconfidence zu Grunde liegt. Diese führt in der Folge zu erhöhter Ergebnisvolatilität und wirkt sich so verstärkend auf den Dispositionseffekt aus. Insgesamt erhöht sich dadurch das Risiko (durch die hohe Volatilität und die erhöhte Risikobereitschaft des Anlegers) und gleichzeitig wird die Rendite gesenkt (durch die Auswirkungen von erhöhten Transaktionskosten [siehe Beiträge zur Overconfidence] und höheren Verlusten [siehe Beiträge zum Dispositionseffekt]).

Dies bestätigt die Erkenntnisse der bisherigen Forschung in diesem Bereich und zeigt, wie wichtig diese Erkenntnis ist, um rational zu handeln, sprich, das Risiko zu senken und dabei die Rendite zu erhöhen.

Gegenmaßnahmen sind die bereits hier diskutierten Handelsempfehlungen zur Overconfidence und zum Dispositionseffekt.


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