Folgendes durfte ich dieser Woche auf wallstreet:online lesen!
Der Kommentar stammt von einem dort angemeldeten Benutzer, der wie es scheint regelmäßig Handelsempfehlungen dort veröffentlicht. Ob selbsternannt oder nicht (ich habe die Performance nicht überprüft) dürfte er zumindest als mehr oder weniger erfahrener Händler gelten. Er schreibt:
“Es besteht für einen Aktienhändler weder während eines Ankaufes noch während eines Verkaufes eine emotionale Beteiligung an dem Handel. Denn der Handel ist das Ergebnis einer Modellbetrachtung und kann niemals infrage gestellt werden. Einzig das Modell, welches zur Entscheidung des Handels führte kann infrage gestellt werden.”
Dies ist ein klassischer Fall von Overconfidence. Er ist davon überzeugt, dass er an seinem Handel nicht emotional beteiligt ist. Da das System wohl von ihm stammt, sind aber Emotionen nicht auszuschließen. Allein die Tatsache, dass das System entweder profitabel oder verlustträchtig arbeitet, schürt unter Verwendung der Signale entweder Freude über den Erfolg oder Bedauern (Regret) über den Verlust. Wenn das System gut ist, kommt auch noch Stolz hinzu, sofern das System von ihm selbst ist. Trotzdem ist er der festen Überzeugung, dass er die Emotionen außen vor lassen kann.
Wenn er diszipliniert handelt, mag er bei der Umsetzung der Signale Recht haben, wenn diese 1:1 umgesetzt werden. Aus diesem Grund führt man solche Systeme ein, damit es eine klare Entscheidungsgrundlage gibt, die nicht in Frage gestellt werden muss und mechanisch ausgeführt werden kann (solange die Performance zufriedenstellend ist). Das Vertrauen in das System spielt dabei eine wichtige Rolle. Sobald jedoch eine Position geöffnet ist und im zeitlichen Verlauf auch betrachtet wird (wie verändert sich der Kurs,; ist die Position im Gewinn oder Verlust) stellen sich automatisch Emotionen ein (Angst, Gier, Hoffnung, Genugtuung, Freude, …). Das lässt sich auf Grund unseres “Bauplans” auch gar nicht vermeiden. Die Auswirkungen können jedoch besser kontrolliert werden.
Der letzte Satz des Zitats ist spannend, wil hier noch ein weiterer Effekt hinzu kommt: der sog. Self-Attribution Bias.
Er schreibt, der Handel selbst kann nie in Frage gestellt werden, lediglich das Entscheidungsmodell. Wenn es also funktioniert, steht der Händler gut da und natürlich erntet er die Loorbeeren. Funktioniert es nicht, wird die Schuld unbewusst auf das Modell geschoben. Es dient als Ausrede für die schlechte Performance und mildert zusätzlich das Bedauern (Regret) des Händlers.
Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch sog. Experten in psychologische Fallen treten. Hier ist ebenfalls erkennbar, dass die Effekte unbewusst auftreten.