Der Tradingplan als Hilfe für geduldiges Traden

26. März 2010

D.R. Barton schreibt in einem Artikel über die Geduld beim Realisieren von Gewinnen. Er beschreibt darin zwei Probleme:

  1. das verfrühte Realisieren von Gewinnen
  2. das Setzen von Stopps zu nah am aktuellen Kurs (um möglichst schnell den Breakeven zu erreichen)

Beide hängen mit der Angst zusammen, Gewinne wieder abzugeben. Beide erwachsen aus dem Bedürfnis, richtig liegen zu wollen.

Die Lösung zu beiden Problemen sei die Geduld, den Trade sich entwickeln zu lassen. Nun ist das zwar eine einfache und nicht unbedingt unbekannte Lösung, doch wie kann man sich diese Geduld aneignen?

Auch hierzu scheint die Lösung weder exotisch noch unerreichbar: ein Tradingplan. In diesem soll zum einen beschrieben sein, bei welchen Kriterien Gewinne realisiert werden (eine Position verkauft wird) und zum anderen wie Stopps gesetzt und nachgezogen werden (Absicherung der Position).

Der große Vorteil im schriftlichen Festlegen dieser Kriterien liegt darin, dass die Schuld für einen Verlusttrade gewissermaßen beim System zu suchen ist, nicht bei sich selbst. Es fällt also leichter, auch mal nicht recht zu haben und die Geduld aufzubringen, den Trade eben so lange laufen zu lassen, bis ein Ausstiegskriterium erfüllt ist.

In unserem Zeitalter ist es bei vielen Brokern bereits möglich, diese Kriterien automatisch verfolgen zu lassen, sodass beim Erreichen der Kriterien eine automatische Aktion erfolgt und der Trader gar nicht mehr eingreifen muss. Dies unterstützt eine manuelle Kontrolle der Kriterien die natürlich trotzdem immer erfolgen sollte.

Hinweis:

Zum Thema Tradingplan, Ein-/Ausstiegskriterien, Risikomanagement, Positionsverwaltung, uvm. findet vom 03.-05. Mai ein Seminar Nähe Saarbrücken (im Kloster Hornbach) statt, das ich allen ans Herz legen kann. Die Inhalte werden von einem erfahrenen und erfolgreichen Trader und Coach präsentiert.

Weitere Informationen zum Seminar “Erfolgreich aus der Krise” finden Sie auf den Seiten des Investor Competence Centers


Ein Stück Realität

1. April 2009

Antworten Sie aus dem Bauch heraus:

Ist Ihr Trading erfolgreich (ja/nein)?

Wenn Ihre Antwort nicht Nein ist, überlegen Sie, Wie Sie Ihre Antwort untermauern können.

Kennen Sie Ihr Verhältnis von Gewinntrades zu Verlusttrades?
Wissen Sie wie hoch Ihr durchschnittlicher Gewinn im Vergleich zum durchschnittlichen Verlust ist?
Wie hoch ist Ihre durchschnittliche Performance pro Monat nach Abzug aller Gebühren (und auch davor)?
Wie oft halten Sie sich an Ihre Trading Regeln und wie oft nicht?
Was ist Ihr ROI (Return on Investment)?
Deckt sich der Ist-Zustand mit Ihrer Planung?

Sicherlich, viele Fragen. Aber wenn Sie die Antwort nicht kennen, wie wollen Sie die eingangs gestellte Frage realistisch beantworten? Jeder Trader hat grundsätzlich das Problem, dass er nur Geld verdienen kann, wenn er das Trading professionell angeht. Beim Trading gibt es keine Einsteiger Liga, keine Kreisklasse. Man startet direkt in der WM  oder Bundesliga und spielt gegen die Profis. Daher ist es notwendig, sich konkrete (realistische) Ziele zu setzen. Damit diese aber verfolgt und verwirklicht werden können, müssen die Fortschritte messbar sein. Das ist an sich nicht schwierig, weil das meiste bereits in Zahlen vorliegt. Aber es müssen konkrete Messgrößen nachhaltig festgehalten und Veränderungen bestimmt werden. Nur so ist es möglich, Abweichungen zu erkennen und steuernd einzugreifen. Sich nur erfolgreich zu fühlen, kann ein teurer Trugschluss sein. Halten Sie doch mal fest, wie viel Zeit Sie in Ihr Trading investieren, und wie viel Rendite dabei herausspringt. Das wird sicherlich dem ein oder anderen die Augen öffnen und die Entscheidung erleichtern, den Aufwand für die Feststellung einiger Kennzahlen über das eigene Trading zu betreiben.

Es gibt unzählige Möglichkeiten dies zu tun. Angefangen bei einfachen Tabellen, über kostenlose Online-Portfolios, bis hin zu kommerziellen Produkten.

  • Tabellen
    Sie können sich eine eigene Tabelle erstellen (vorzugsweise mit einem Tabellenkalkulationsprogramm; NICHT in einer Textverarbeitung). Mit den festgehaltenen Informationen können Sie dann oben genannte Größen errechnen und erhalten dadurch ein Feedback, das Ihnen beim Lernprozess behilflich ist. In der Tabelle halten Sie unterschiedliche Informationen fest wie z.B.

    • alle Parameter eines Trades (Datum, Menge, Preis, Symbol; werden für Berechnungen anderer Größen benötigt)
    • Marktumfeld
    • eigene Tagesform
    • Grund für den Trade oder Exit
    • wie gut Sie Ihre Regeln eingehalten haben
    • Grund, warum der Trade nicht so funktioniert hat, wie er sollte, obwohl alles richtig gemacht wurde
    • u.v.m.
  • Online-Angebote
    es gibt verschiedenste Onlineportale, die mit Finanzen zu tun haben und meist auch Börsenkurse zur Verfügung stellen. Dort kann man oft ein kostenloses Musterportfolio einrichten, mit dem man zumindest grundlegende Informationen festhalten und diese auswerten kann, z.B. www.Onvista.de, www.Icarra.com, …
  • kommerzielle Produkte
    Hierbei müssen Sie darauf achten, dass die Software auch wirklich zur Verwaltung eines Wertpapierdepots gedacht ist und Funktionen zum Money Management aufweist. Bei kostenpflichtigen Produkten empfielt es sich auch immer, das Produkt vor dem Kauf zu testen. Z.B. www.financial-futures.de

Durch das Festhalten dieser Informationen und die nachträgliche Analyse erhalten Sie ein zusätzliches Feedback, das einen Lernprozess erlaubt, der ohne dieses Feedback nicht eintreten kann. Überlegen Sie sich, wie viel ein solches Tradingjournal wert wäre, wenn es von Warren Buffet stammen würde und was man möglicherweise daraus lernen könnte. Ihr eigenes Journal ist für Sie persönlich ebenso viel wert, weil es Sie lehrt, welche Fehler Sie vermeiden können und was Sie richtig machen!

Die Behavioral Finance beschreibt den sog. Rückschaufehler (Hindsight Bias). Hierzu gibt es hier im Blog auch eine Beschreibung, wie dieser Fehler als Lernhemmer wirkt.

Nur zur Sicherheit: Dies ist kein Aprilscherz!


Behavioral Trading System

20. März 2009

Ich habe Anfang des Jahres geschrieben, dass ich ein Handelssystem testen möchte, das auf psychologischen Gegebenheiten beruht (vgl. Post vom 01.01.2009).

Ich möchte dazu folgende Korrektur anbringen:
Das System nutzt keine Überreaktionen, sondern die Konsequenzen aus systematischen Unterreaktionen.

Aktueller Stand:
Es konnte ein Berechnungsschema aufgestellt werden, das es ermöglicht, die Konsequenzen in Zahlen zu erfassen und somit Datenreihen statistisch auszuwerten.

Jetzt geht es an die Erfassung der Daten, die sich leider sehr mühsam gestaltet, weil es keine (zumindest keine mir bekannten und frei zur Verfügung stehenden) Datenbestände dazu gibt. Die Daten müssten daher manuell gesammelt werden. Die optimistische Prognose für die Timeline wären etwa 7 Monate. Dieser Aufwand ist wenig effizient und ich halte derzeit Ausschau nach Alternativen.

Die Daten sind Grundlage für eine Auswertung des Systems. Daher kann im Moment noch keine Aussage über den Erfolg oder die praktische Relevanz des Ansatzes gemacht werden.


Affekt-Systeme als neurowissenschaftliche Ursache für nicht rationale Entscheidungen

15. September 2008

Spontan und unmittelbar auftretende Emotionen als Reaktion auf bestimmte Ereignisse nennt man auch Affekt. Dieser Affekt führt zur Unterdrückung von rationalen Entscheidungen und beeinträchtigt uns im Anlageprozess.

Peterson (“Affect and Financial Decision-Making: How Neuroscience Can Inform Market Participants”, 2007) beschreibt dazu zwei unabhängige Systeme:

  1. Reward Approach System (System der Erwartung einer Belohnung)
  2. Loss Avoidance System (System der Verlustvermeidung)

Im Reward Approach System kann durch neurochemische Prozesse eine erhöhte Risikotoleranz entstehen, die durch in Aussicht gestellte Belohnungen aktiviert wird. Das bedeutet, wird einem Menschen eine Belohnung vor die Nase gehalten, ist er bereit, dafür ein höheres Risiko einzugehen. Beispiele dafür sind diverse TV-Spiele bei denen Passanten eine Prämie gewinnen können und dafür einen persönlichen Einsatz (peinliche Aktionen ausführen, privates Handy, etc.) erbringen müssen. Beim Wertpapierhandel könnte dies den Teil des Dispositionseffekts erklären, bei dem der Anleger eine Verlustposition behält, um die Belohnung, bei steigendem Kurs die Position wieder auszugleichen, vor Augen hat. Er geht dafür ein höheres Risiko ein, indem er die Verlustposition nicht schließt und einen weiteren Kursverfall in Kauf nimmt, obwohl es besser wäre nur ein kleineres Risiko einzugehen und dann das Kapital in eine gewinnbringende Alternative zu investieren.

Die Aktivierung des Loss Avoidance Systems kann zu Subjektivität (in der Beurteilung) und Ängstlichkeit führen. Auch hier kann der Dispositionseffekt wieder als Beispiel dienen. Befindet sich eine noch offene Position im Gewinn, entsteht die Angst, den bisherigen Profit wieder zu verlieren. Die Position wird geschlossen, um einen kleinen Gewinn zu sichern (Verlustvermeidung), obwohl hier eine etwas höhere Risikotoleranz angebracht wäre.

Wie kann der Trader dies beeinflussen (ohne mit Medikamenten die neurochemischen Prozesse zu beeinflussen)? Mit Hilfe der unterschiedlichen Darstellung von zu entscheidenden Sachverhalten.
Bsp.: Anstatt die Verlustposition zu betrachten, kann das Gesamtportfolio betrachtet und ein Stopp automatisch gesetzt werden, um ein festes Risiko einzustellen.

Es ist also alles Kopfsache. Können die beiden Systeme gesteuert werden, so wird auch die Risikotoleranz beeinflusst. Die Informationsaufnahme spielt also eine wichtige Rolle, die Reflexion der vergangenen Ereignisse (und der Planung) und das Bewusstsein, dass eine solche Beeinflussung stattfindet.


Empirische Ergebnisse zur Overconfidence

16. Juli 2008

Auf der Trading Expo in Aschaffenburg am 03. und 04.07.08 hatte ich die Gelegenheit, einige Teilnehmer im Rahmen eines Workshops und eines Seminars zu befragen und die Ergebnisse auszuwerten.

Es wurden Fragen gestellt, die das Schätzvermögen der Teilnehmer beurteilen und eine Vergleichbarkeit zu bisherigen Studien gewährleisten sollten.

Die Ergebnisse können nachfolgend eingesehen werden und zeigen eine weite Verbreitung des in der Behavioral Finance als “Overconfidence” bekannten Effekts.

Es konnte gezeigt werden, dass die meisten Teilnehmer dem Effekt der Overconfidence unterliegen und ihr Schätzvermögen besser einschätzen, als es tatsächlich ist. Die Ergebnisse belegen, dass wir als Anleger grundsätzlich davon ausgehen müssen, dass wir von diesem Effekt negativ beeinflusst werden.

Hier geht’s zur Auswertung!


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