Der im Titel genannte Bericht verfolgt die Stimmung (Sentiment) in Newslettern. Er teilt Sie in die Kategorien Bullish, Bearish oder Korrektur ein. Die Relation der einzelnen Kategorien zueinander wird im “Bullish Sentiment Index” wiedergegeben.
Dieser Index soll als Kontraindikator zur Marktrichtung dienen. Wenn der Index also hohe Werte erreicht, soll ein fallender Markt angezeigt werden und umgekehrt.
Die Analysen dazu können einem Newsletter, dem Advisors’ Sentiment Report entnommen werden. Dieser wird bereits seit 1963 verteilt und soll laut Webseite von Investors Intelligence regelmäßig die großen Umkehrpunkte im Markt vorhergesagt haben.
Um die Hoffnung des Lesers gleich im Keim zu ersticken: den heiligen Gral findet man hier ebenfalls nicht. Wissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, die Prognosefähigkeit auszuwerten. Dabei wurde zwar festgestellt, dass tatsächlich einige Wenden mit diesem Index erfolgreich vorhergesagt wurden, jedoch liegt man damit etwa gleich oft richtig wie auch falsch. Damit wären wir wieder beim Münzwurf angekommen. Von einer Prognosefähigkeit des Index kann deshalb leider nicht ausgegangen werden.
Warum glauben trotzdem viele Anleger daran? Nun das hat wieder etwas mit dem Grad der Verpflichtung zu tun (Commitment). Wenn man gemäß einem solchen Newsletter entscheidet, ist man für eine falsche Entscheidung nie wirklich selbst verantwortlich. Man hat immer die Ausrede, dass die Profis es ja auch nicht wissen. Dies erleichtert einem bereits im Vorfeld die Entscheidung. Man spricht von der kognitiven Dissonanz, einem Unbehagen, das dadurch auftritt, dass die gefällte Entscheidung immer auch negative Punkte aufweist und ausgeschlagene Optionen auch positive Punkte aufweisen. Im Endeffekt hat es also weniger etwas mit Glauben zu tun, sondern mit dem Versuch, das Commitment zu reduzieren und sich mit seiner Entscheidung besser zu fühlen.
Verfasst von Martin Haimerl 