Gruppendiskussionen gegen den Rückschaufehler

17. Juni 2008

Der Rückschaufehler (Hindsight Bias) läßt uns eine Informationslage in unseren Erinnerungen rückblickend verfälschen.

Wenn wir eine falsche Entscheidung getroffen haben und auf den Zeitpunkt vor dieser Entscheidung zurückblicken, so glauben wir oft, dass die meisten Informationen für die richtige Entscheidung gesprochen hätten und die aktuell verfügbaren Informationen auch zu diesem Zeitpunkt bereits zur Verfügung gestanden hätten.

Man hat jedoch die falsche Entscheidung getroffen. Dies wird bagatellisiert durch Ausreden wie

  1. ich war abgelenkt
  2. ich habe die Informationen nur überflogen
  3. ich hatte einen schlechten Tag

Es wird davon ausgegangen, dass es so banal war, dass diese Informationen bei konzentriertem Vorgehen richtig beurteilt und die richtige Entscheidung getroffen worden wäre. Es wird auch davon ausgegangen, dass die aktuell vorliegenden Informationen bereits zum Zeitpunkt der Entscheidung vorgelegen hätten.

Beispiele:

  1. nachträgliche Betrachtung eines Kursdiagramms und Einstiegs-/Ausstiegspunkten
  2. nachträgliche Auswertung von Nachrichten und deren Auswirkungen auf den Kurs

Hier entsteht das Problem, dass die falsche Entscheidung nicht dem Anleger selbst zugeordnet, sondern die Verantwortung auf die Zukunft oder externe Einflüsse geschoben wird .

Solange aber die Schuld nicht bei sich selbst gesucht wird, besteht auch keine Notwendigkeit, am eigenen Vorgehen etwas zu verändern oder die eigenen Fehler überhaupt zu analysieren. So hat der Anleger auch keinen Lerneffekt, da er sich nicht selbst verbessert. Beim nächsten Mal wiederholen sich solche Fehler und der Anleger steckt wieder in der selben Situation. Er bemerkt zwar, dass er denselben Fehler erneut gemacht hat, aber bei der rückwirkenden Betrachtung erscheint die Situation erneut klar. Es entsteht eine Fehlerschleife, die immer wiederholt wird.

Dieser Fehler tritt bei Analysen von vergangenen Ereignissen auf und betrifft uns Anleger in der Phase der Reflexion. Wer also den Schritt macht, seine Trades zu analysieren und versucht daraus zu lernen, kann in diese Falle tappen, wenn er nicht konsequent vorgeht und die Sachlichkeit, sich seine Fehler einzugestehen, vernachlässigt.

Eine Möglichkeit dem Rückschaufehler entgegenzuwirken sind Gruppendiskussionen. Durch die Auslegung unterschiedlicher Argumente für und wider eine Entscheidung werden diese nachhaltiger in der Erinnerung verankert und sind nachträglich leichter abrufbar. Auch werden dabei zum Teil Informationslücken aufgedeckt, an die sich die Teilnehmer nachträglich erinnern können. Sind diese Erinnerungen abrufbar, können diese auch nicht verleugnet werden und eine sachlichere Analyse wird ermöglicht.


Der Transrapid als Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt

27. März 2008

Nun ist die Diskussion um den Transrapid endlich vom Tisch. Das Projekt ist gestoppt. Was das für den Technologiestandort Deutschland bedeutet, möchte ich hier nicht diskutieren.

Dieses Ereignis soll als Beispiel zum Sunk-Cost-Effekt dienen.

Jahrzehntelang wurde in dieses Projekt investiert. Zuletzt geplant war eine Realisation auf einer Kurzstrecke von München zum 30 km entfernten Flughafen. Offensichtlich hat sich herausgestellt, dass dieses Projekt zu teuer wird. Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Transrapid wird das Vorhaben nun gestoppt.

Der Sunk-Cost-Effekt verleitet uns dazu, in Verlustprojekte stärker zu investieren als in andere und an diesen äußerst lange fest zu halten, solange bis eine Schmerzgrenze erreicht ist, die wir nicht mehr vertreten können und letztendlich den Verlust in Kauf nehmen. An welcher Stelle findet sich die aktuelle Entscheidung wieder? Die FAZ schreibt heute vom Stop-and-Go-Verkehr der Politik und darüber, welche Rückschläge der Transrapid bis heute verzeichnen musste. Das Einstellen des Projekts ist im Zuge der Wirtschaftlichkeit wohl die richtige Entscheidung. Dem heutigen Informtionsstand nach kommt sie aber zu spät. Auch hier tritt der Sunk-Cost-Effekt wieder zu Tage. Es ist wohl eher die Schmerzgrenze erreicht, an der es einfach nicht mehr weiter geht.

Als Anleger kann man diesen Fall nutzen, um sein Bewusstsein für diesen Effekt zu schärfen. Da uns diese psychlogischen Effekte immer dann am härtesten treffen, wenn sie unbewusst auftreten, ist es notwendig, das Auge dafür zu schulen. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine Kapitalanlage im Sinne eines an den Börsen investierten Anleger handelt, hilft die Erkenntnis trotzdem.

Sie schafft das Bewusstsein für den Effekt und verbessert somit die Erkennungsrate. Dies hilft dann wiederum bei der eigenen Kapitalanlage, solche Effekte zu erkennen.

Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass bei der nachträglichen Betrachtung der jetzt zur Verfügung stehenden Informationen zum Transrapid der Hindsight Bias nicht ausgeschlossen werden kann.


Effektbeschreibung hinzugefügt

5. März 2008

Auf der Seite “Heuristiken und Effekte” wurde ein neuer Effekt hinzugefügt:

Hindsight Bias / Rückschau-Fehler

Dieser Effekt beschreibt eine Bewertungsverzerrung von zu einem früheren Zeitpunkt zur Verfügung gestandenen Informationen.


Hab ich’s doch gewusst!

13. Februar 2008

… könnte ich heute sagen. Die Politik hat der IKB nun eine weitere Finanzspritze gewährt.

Wie schon am Montag hier beschrieben, weist das auf den Sunk-Cost-Effekt hin, über den ich heute allerdings gar nicht schreiben möchte.

Die Frage lautet doch: Woher habe ich das gewusst und was denn genau?

Rückblickend könnte ich meinen, ich hätte den Ausgang gekannt und mir mit einer gut platzierten Wette einen kleinen Bonus gönnen können. Dies ist allerdings nur Schein. Natürlich konnte niemand, der nicht in den Entscheidungsgremien sitzt oder eng damit zu tun hat wissen, was wirklich passieren würde. Dass es im Nachhinein den Anschein hat, als hätte man mehr gewusst als es tatsächlich der Fall war liegt daran, dass man die alternativen Ausgänge verdrängt.

Dieses Phänomen nennt sich auch Hindsight Bias oder Rückschaufehler.

Dieser Effekt kann bei nachträglicher Bewertung einer Entscheidungssituation autreten. Er verhindert das Lernen aus eigenen Fehlern und somit die Verbesserung der Beurteilung in zukünftigen, ähnlichen Situationen.


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