Ich möchte heute einen bisher noch nicht besprochenen Effekt darstellen, die Repräsentativitätsheuristik (Representativeness)
Bei der sog. Repräsentativitätsheuristik wird die Eintrittswahrscheinlichkeit repräsentativer Ereignisse gegenüber weniger repräsentativen überschätzt. Dies beeinflusst uns bei der Informationsverarbeitung und Entscheidung, weil wir Ereignisse, die uns repräsentativer erscheinen, für wahrscheinlicher halten, als andere.
Verantwortlich für diese Fehleinschätzung ist unter anderem die Ähnlichkeit der Stichprobe mit der Population (statistisch beobachtete Grundgesamtheit)
Hierbei handelt es sich um einen Vergleich der zufällig gewählten Stichprobe mit der Grundgesamtheit. Entspricht das Auftreten der Stichprobe nicht den Erwartungen, wird dieses Ereignis unterschätzt und andere im Gegensatz dazu überschätzt.
Hier ein Beispiel der Wissenschaftler Kahneman und Tversky zur Veranschaulichung:
In einer Befragung aller Familien einer Stadt mit sechs Kindern ergab sich bei 72 Familien folgende Geburtenfolge:
Variante 1: M J M J J M (M = Mädchen, J = Junge)
Den Probanden der Studie wurde eine zweite Geburtenfolge gezeigt und sie sollten einschätzen, auf wie viele Familien sie zutreffen könnte:
Variante 2: J M J J J J
Etwa 80 Prozent schätzten die erste Variante wahrscheinlicher ein, als die zweite.
Beide Geburtenfolgen sind statistisch gleich wahrscheinlich. Da die zweite Variante nicht repräsentativ in Bezug auf die Grundgesamtheit (alle Familien mit sechs Kindern) ist, wird sie unterschätzt, bzw.<!–[if supportFields]>xe “bzw.”<![endif]–><!–[if supportFields]><![endif]–>die erste Variante überschätzt.
Aus der Repräsentativitätsheuristik lassen sich mehrere Fehler ableiten:
- die bereits hier vorgestellte Gambler’s Fallacy
- die Conditional Probability Fallacy, bei der Ursache und Wirkung vertauscht werden
- die Conjunction Fallacy, bei die Wahrscheinlichkeit verbundener Ereignisse übrschätzt wird
Verfasst von Martin Haimerl 

