Spontan und unmittelbar auftretende Emotionen als Reaktion auf bestimmte Ereignisse nennt man auch Affekt. Dieser Affekt führt zur Unterdrückung von rationalen Entscheidungen und beeinträchtigt uns im Anlageprozess.
Peterson (“Affect and Financial Decision-Making: How Neuroscience Can Inform Market Participants”, 2007) beschreibt dazu zwei unabhängige Systeme:
- Reward Approach System (System der Erwartung einer Belohnung)
- Loss Avoidance System (System der Verlustvermeidung)
Im Reward Approach System kann durch neurochemische Prozesse eine erhöhte Risikotoleranz entstehen, die durch in Aussicht gestellte Belohnungen aktiviert wird. Das bedeutet, wird einem Menschen eine Belohnung vor die Nase gehalten, ist er bereit, dafür ein höheres Risiko einzugehen. Beispiele dafür sind diverse TV-Spiele bei denen Passanten eine Prämie gewinnen können und dafür einen persönlichen Einsatz (peinliche Aktionen ausführen, privates Handy, etc.) erbringen müssen. Beim Wertpapierhandel könnte dies den Teil des Dispositionseffekts erklären, bei dem der Anleger eine Verlustposition behält, um die Belohnung, bei steigendem Kurs die Position wieder auszugleichen, vor Augen hat. Er geht dafür ein höheres Risiko ein, indem er die Verlustposition nicht schließt und einen weiteren Kursverfall in Kauf nimmt, obwohl es besser wäre nur ein kleineres Risiko einzugehen und dann das Kapital in eine gewinnbringende Alternative zu investieren.
Die Aktivierung des Loss Avoidance Systems kann zu Subjektivität (in der Beurteilung) und Ängstlichkeit führen. Auch hier kann der Dispositionseffekt wieder als Beispiel dienen. Befindet sich eine noch offene Position im Gewinn, entsteht die Angst, den bisherigen Profit wieder zu verlieren. Die Position wird geschlossen, um einen kleinen Gewinn zu sichern (Verlustvermeidung), obwohl hier eine etwas höhere Risikotoleranz angebracht wäre.
Wie kann der Trader dies beeinflussen (ohne mit Medikamenten die neurochemischen Prozesse zu beeinflussen)? Mit Hilfe der unterschiedlichen Darstellung von zu entscheidenden Sachverhalten.
Bsp.: Anstatt die Verlustposition zu betrachten, kann das Gesamtportfolio betrachtet und ein Stopp automatisch gesetzt werden, um ein festes Risiko einzustellen.
Es ist also alles Kopfsache. Können die beiden Systeme gesteuert werden, so wird auch die Risikotoleranz beeinflusst. Die Informationsaufnahme spielt also eine wichtige Rolle, die Reflexion der vergangenen Ereignisse (und der Planung) und das Bewusstsein, dass eine solche Beeinflussung stattfindet.
Verfasst von Martin Haimerl 
