Die Angst vor der Zukunft

8. Mai 2008

Roland Barach schreibt in seinem Buch (1988, Mindtraps) über verschiedene Fallen, darunter auch einige, die mit der eigenen Angst zu tun haben. Dabei stellt er fest, dass Angst die Ursache für folgende Ereignisse ist:

  1. Verkaufen nachdem der Kurs gefallen ist, weil man befürchtet, dass der Kurs noch weiter fällt
  2. Verpassen guter Einstiegsmöglichkeiten bei niedrigen Kursen aus Angst und Entscheidung für die Passivität
  3. Zu frühes Verkaufen im Gewinn aus Angst, er könnte durch Kursverfall wieder aufgezehrt werden

Angst ist demnach einer der emotionalen Zustände, die wir lernen müssen zu kontrollieren. Konkrete Handlungsempfehlungen gibt er dazu nicht, jedoch ist der dritte genannte Punkt eine Konsequenz aus dem Dispositionseffekt auf der Gewinnseite: Gewinne werden zu früh realisiert – eine Entscheidung für die sichere Alternative (Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach).

Genau dies führt aber dazu, dass auftretende Verluste durch die kleinen Gewinne nicht kompensiert werden können und so ein negatives Gesamtergebnis erwirtschaftet wird. in diesem Fall kann das Setzen eines Kursziels dabei helfen, den Gewinn etwas weiter laufen zu lassen. Kombiniert man dies mit dem bewussten Setzen eines Bezugspunkts, kann man die eigene Schmerzgrenze etwas erweitern.

Wenn das Gewinnpotential einer Aktie XY bei etwa 1,50-1,80 Euro eingeschätzt wird, dann seien Sie optimistisch und setzen Sie ihr Gewinnziel auf 1,80. Dieser Wert stellt einen neuen Bezugspunkt für den Ausstieg im Gewinnfall dar. Kann die Disziplin bis zu diesem Punkt nicht eingehalten werden, weil man aus Angst vorher raus möchte, so können evtl. die 1,50 realisiert werden und damit ist das Ziel zu etwa 80% erreicht worden. Wenn dies in Kombination mit kontrollierten, kleinen Verlusten einhergeht, wird immer noch ein positives Gesamtergebnis erreicht. Wäre das Gewinnpotential pessimistisch bei 1,50 eingeschätzt worden, so wäre der Gewinn vielleicht bereits bei 1,20 realisiert worden. So kann die individuelle Grenze ein wenig verschoben werden und führt insgesamt zu besseren Ergebnissen.


Barings Bank 1995, heute aktuell wie nie!

8. April 2008

Nick Leeson ist heute ein gefragter Redner auf Konferenzen und diversen Veranstaltungen. Das war nicht immer so, insbesondere 1995, als er die damalige Barings Bank in den Ruin trieb. Vergößerte Positionen sollten das Konto wieder in den Gewinn bringen, ließen aber nur weitere Verluste entstehen, die so groß waren, dass die Bank sich davon nicht mehr erholte. Leeson ist heute nach einigen Jahren Haft in Singapur schlauer. Dennoch war dies ein klassisches Beispiel für den Dispositionseffekt, über den ich gestern bereits geschrieben habe.

Die Verlustposition möchte nicht aufgegeben werden in der Hoffnung, dass der Kurs doch irgendwann dreht und man zumindest +/- Null wieder aus der Position austeigen kann. Ursächlich hierfür ist die sog. abnehmende Sensitivität. Je weiter sich eine Position im Verlust befindet und damit vom Bezugspunkt (Einstiegskurs) entfernt ist, desto geringer werden zusätzliche Verluste subjektiv bewertet. Was bedeutet das im Klartext? Die ersten hundert Euro tun noch richtig weh, aber ob sich der Verlust von 1.000 Euro auf 1.100 vergrößert ist dann auch schon egal. Mit dieser Einstellung vergrößert sich der Verlust immer weiter.

Gern begangene Fehler sind unter anderem Nachkäufe, um den durchschnittlichen Einstiegspreis zu verbilligen, um bei einer Gegenbewegung den Verlust schneller wieder aufholen zu können. Dadurch wird jedoch nur das Risiko weiter erhöht

Hier noch ein Link zu einem kürzlichen Interview von Nick Leeson auf www.nickleeson.com zum aktuellen Fall der Société Générale:

BBC Interview Nick Leeson


abnehmende Sensitivität – warum große Verluste auf die leichte Schulter genommen werden

20. Februar 2008

Wir neigen dazu Dinge relativ zu bewerten. Das Wetter ist heute wieder besser (als gestern), ich bin schneller als der Fahrer hinter mir, dieses Restaurant hat ein gemütlicheres Ambiente, als das gegenüber. Wir setzen Dinge in Relation zu anderen Dingen – zu einem Bezugspunkt.

Wenn man das auf eine Kapitalanlage überträgt, dann ist der Einstiegspreis ein neutraler Bezugspunkt. Die weitere Entwicklung wird in Relation zu diesem Punkt bewertet. Von Gewinnen sprechen wir, wenn der Preis oder Kurs sich in eine Richtung vom Bezugspunkt entfernt, die unser Depot wachsen lässt, von Verlusten, wenn er sich in die andere Richtung weg bewegt.

Diese Bewertung erfolgt aber nicht in absoluten Beträgen, sondern vielmehr in Form subjektiven Nutzens. Wir bewerten, wieviel uns diese absolute Veränderung bedeutet. Der anfängliche Verlust ist uns sehr viel wert, da er den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust bedeutet, zwischen richtig liegen und falsch, zwischen gut drauf sein oder einen schlechten Tag haben. Ist der erste Verlust schon mal mit allen mentalen und emotionalen (und natürlich auch finanziellen) Konsequenzen eingetreten, wird eine weitere Vergrößerung dieses Verlusts nicht mehr so schlimm bewertet wie der erste. Schließlich fühlen wir uns schon schlecht und hatten uns bereits falsch entschieden – jetzt hat sich nicht viel verändert. Je mehr sich der Verlust vergrößert und sich der Preis so vom Bezugspunkt entfernt, desto weniger wird er subjektiv gewichtet.

Diese Veränderung der relativen Bewertung bei zunehmender Entfernung vom Bezugspunkt nennt sich abnehmende Sensitivität und führt dazu, dass Verluste nicht früh genug realisiert werden (die Position nicht geschlossen wird), sondern statt dessen zugesehen wird, wie der Verlust immer größer wird, bis irgendwann eine Schmerzgrenze erreicht ist, bei der letztendlich dann doch verkauft wird.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.