Roland Barach schreibt in seinem Buch (1988, Mindtraps) über verschiedene Fallen, darunter auch einige, die mit der eigenen Angst zu tun haben. Dabei stellt er fest, dass Angst die Ursache für folgende Ereignisse ist:
- Verkaufen nachdem der Kurs gefallen ist, weil man befürchtet, dass der Kurs noch weiter fällt
- Verpassen guter Einstiegsmöglichkeiten bei niedrigen Kursen aus Angst und Entscheidung für die Passivität
- Zu frühes Verkaufen im Gewinn aus Angst, er könnte durch Kursverfall wieder aufgezehrt werden
Angst ist demnach einer der emotionalen Zustände, die wir lernen müssen zu kontrollieren. Konkrete Handlungsempfehlungen gibt er dazu nicht, jedoch ist der dritte genannte Punkt eine Konsequenz aus dem Dispositionseffekt auf der Gewinnseite: Gewinne werden zu früh realisiert – eine Entscheidung für die sichere Alternative (Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach).
Genau dies führt aber dazu, dass auftretende Verluste durch die kleinen Gewinne nicht kompensiert werden können und so ein negatives Gesamtergebnis erwirtschaftet wird. in diesem Fall kann das Setzen eines Kursziels dabei helfen, den Gewinn etwas weiter laufen zu lassen. Kombiniert man dies mit dem bewussten Setzen eines Bezugspunkts, kann man die eigene Schmerzgrenze etwas erweitern.
Wenn das Gewinnpotential einer Aktie XY bei etwa 1,50-1,80 Euro eingeschätzt wird, dann seien Sie optimistisch und setzen Sie ihr Gewinnziel auf 1,80. Dieser Wert stellt einen neuen Bezugspunkt für den Ausstieg im Gewinnfall dar. Kann die Disziplin bis zu diesem Punkt nicht eingehalten werden, weil man aus Angst vorher raus möchte, so können evtl. die 1,50 realisiert werden und damit ist das Ziel zu etwa 80% erreicht worden. Wenn dies in Kombination mit kontrollierten, kleinen Verlusten einhergeht, wird immer noch ein positives Gesamtergebnis erreicht. Wäre das Gewinnpotential pessimistisch bei 1,50 eingeschätzt worden, so wäre der Gewinn vielleicht bereits bei 1,20 realisiert worden. So kann die individuelle Grenze ein wenig verschoben werden und führt insgesamt zu besseren Ergebnissen.
Verfasst von Martin Haimerl 
